21 erfahren. Als ſein Herannahen ihr gemeldet ward, nahm ſie raſch Abſchied von dem Geſchwiſterpaare und ritt dem Grafen entgegen. In einem Thale in der Nähe des Schloſſes begegnete ſie ihm.„Wehe Dir, Gyalafi'“, lautete ihre Rede,„ich komme von Deinem Schloſſe, aber was mußte ich da ſehen! Deine Gattin in den Armen eines Buhlen! Wehe Dir, warum haſt Du meine Liebe und Treue verſchmäht!“ Damit gab ſie ihrem Roſſe die Sporen und ſprengte davon. Der Graf traute nicht ſofort den Worten der Dame. Aber er wollte ſich doch über⸗ zeugen. Er ließ daher ſein Gefolge zurück und ritt ganz ſtill und unbemerkt in ſein Schloß ein, um ſeine Gemahlin zu überraſchen. Er trat leiſe in ihr Zimmer, aber wer malt ſeinen Schrecken! Flora ſaß in zärtlichſter Unter⸗ haltung neben einem jungen Ritter auf dem Sopha. Da übermannte den Grafen der Jähzorn. Er ſtürzte in tollem Wahne auf das nichtsahnende Paar und durchſtieß mit dem Schwerte erſt den Bruder und dann die Schweſter. Der junge Ritter ſtarb auf der Stelle, ohne einen Laut von ſich zu geben, Flora aber hauchte ſterbend die Worte: „Ach, mein theurer Bruder! Wehe, wehe, mein Ge⸗ mahl!“ Zu ſpät erkannte der Graf, zu welcher herz⸗ zerreißenden That ihn ſein Zorn und die böſe Erzſebet ver⸗ leitet hatten. Die höchſte Verzweiflung überkam ihn. Er bedeckte ſeinen Schwager und ſeine Gemahlin mit Küſſen.
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