9
„Marie, ich bitte Sie, ſo einen altbackenen, zopfigen Philiſter—“
Zum erſtenmal in ihrem Leben mußte unſere junge Freundin ſolche Worte über ihren hochverehrten Gellert vernehmen. Ein rechtes Weh überkam ſies Sie erwiederte nichts, als die Worte:„Als ich den letzten Abend auf meine Kammer ging und der be⸗ vorſtehende Abſchied von der Mutter und Heimat und der Eintritt in die fremde Welt mir faſt das Herz erdrücken wollte, daß ich gewiß recht ſchwer Athem holen mußte, da kniete ich nieder und betete:
„Auf Gott und nicht auf meinem Rath Will ich mein Glück erbauen.“
Und ſehen Sie, Fräulein, da ward mir wieder ſo friedvoll ums Herz, wie ich Ihnen gar nicht ſagen kann, und ſoll ich für ſolchen Troſt vom Himmel demjenigen, der mir ihn in ſeinem ſchönen Liede brachte, nicht dankbar ſein, ihn nicht innig verehren?“*
Die rührende Natürlichkeit, mit welcher Marie dieſe Worte geſprochen, verfehlte nicht, einigen Ein⸗ druck auf das Gemüth Mariannens zu machen Doch der alte Leichtſinn, Hoffart und Eitelkeit verlöſchten ihn nur zubald wieder.
„Alſo von Gellert iſt dieſes mir nicht ganz un⸗


