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Der Diplomat : Novelle / von Ludwig Storch
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zubauen, was das Gefühl ſeit funfzig Jahren blindlings über Haufen geworfen hat. Es iſt ſchier nicht anders, als wäre die ganze Gene⸗ ration angeſteckt. Zur Zeit des glorreichen Lud⸗ wigs des Vierzehnten war von dieſer Krankheit noch nichts in der Welt; die unübertrefflichen Meiſterwerke der franzöſiſchen Literatur aus jenem goldnen Zeitalter ſind rein von dieſem trüben Wuſte. Die Welt wurde mit Verſtand verſtändig regiert; die Diplomatie war die Meiſterin der Erde, und es fiel Niemandem ein, ihr dies wohl⸗ erworbne uralte Recht ſtreitig machen zu wollen. Die Weiber waren von ganz anderm Schlag. Jetzt will Alles philoſophiren, moraliſiren, mei⸗ ſtern; die Weiber fühlen und wollen mit ihrem Gefühl den Verſtand zurechtweiſen. Sie ſtecken die Männer an und erziehen zum Unglück der Welt Kinder, wie Sie, mein Freund, deſſen herrliche Anlagen wahrlich eine beſſre Bildung verdient hätten.“ „O wie dank' ich meiner Mutter dieſe Erzie⸗ bung!“ rief Müllersdorf;„und hat ſie mich auch nicht zu einem Diplomaten gebildet, ſo bin ich

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