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Der Diplomat : Novelle / von Ludwig Storch
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für Poeſie zu haben; ich werde Ihnen dieſer Tage noch die Werke eines Friedrich Schlegel, eines Ludwig Tieck, Adam Müller zu verſchaffen wiſ⸗ ſen, um Sie durch dieſe großen und hochgefeier⸗ ten Dichter von der gemein ſchwärmeriſchen Lebens⸗ anſicht abzubringen, die Ihnen inne wohnt und Sie am Verſtändniß der erſten Lehren der Staats⸗ kunſt hindert.“

„Sie werden einen ſchlimmen Schüler an mir haben,“ lachte Müllersdorf,„und mein Vater hätte mich lieber einen Oekonomen werden laſſen ſollen, wie ich wünſchte, als einen Diplomaten. Doch ich bin ſein einziger Sohn, und es ziemt mir, ſeinen heißen Wunſch zu erfüllen.“

„Aber erklären Sie mir das Räthſel, daß der einzige Sohn eines ſo ausgezeichneten Staats⸗ manns ſo wenig Neigung zu der glänzenden Car⸗ riere haben kann, die ihm die Geburt ſchon öff⸗ nete und die Andre mit ungeheurer Mühe ſich erſt eröffnen müſſen.“

„Das Räthſel iſt leicht gelöst,“ verſetzte Mül⸗ lersdorf:„ich hatte eine gute, fromme, ſanfte, brave Mutter; ſie war ein edles Weib in der