Teil eines Werkes 
4. Supplement-Band, Moosrosen : Novellen und Erzählungen : 3. Theil (1864)
Entstehung
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Die Mutter erkannte hieraus, daß ſie einen Boten des Himmels in ihrem Hauſe beherberge und daß ein Engel ihr Kindlein gerettet habe. Sie knieete betend nieder, bis Gabriele erwachte und der Stern verſchwand.

Ich habe wunderſchön geträumt, ſagte Gabriele, ich befand mich in der Wohnung meines Vaters und reichte mir lächelnd ſeine Hand.

Die Mutter aber ſagte nichts, daß ſie den Stern geſchaut habe.

Als der ſiebente Tag der ſiebenten? Woche her⸗ niederſank, war es ſchon nahe dem Frühling Gabriele beugte ſich über die ſauft ſchlummernde Roſg. Dann hauchte ſie einen leiſen Kuß auf die Stirne des träumenden Kindes und verließ die Wohnung. Wie die Mutter ins Zimmer trat, ſuchte ſie vergebens nach Gabrielen, die doch immer ſo pünktlich und ſorgſam am Bettchen Roſa's geſeſſen. Von banger Erwartung ergriffen eilte ſie vor die Thür des Hauſes. Da ſah ſie in der Frühlingsnacht einen wunderſchönen Stern über den ergrünenden Wald nach Oſten ziehen.

Am nächſten Morgen verließ Roſa vollkommen geheilt ihr Bett, und ſprang und tanzte bald wie früher. 5

Als ſie aber zur Leizenden Jungfrau herauf⸗ blühte und es dunkel wurde und ein erhabener Ge⸗ danke durch ihre Seele zog, oder ihr Herz ſich recht ſelig fühlte, ſchimmerte ein goldener Stern auf ihrer Stirn.

Dieß war der Kuß des Engels.

Die Sage davon blieb nicht verborgen und Roſa hieß bald in der ganzen Se

Das Mädchen mit dem goldenen Stern.

Druck von Alexander Wiede in Leipzig.