Teil eines Werkes 
Supplemente 3. Band, Der Weltbürger : historischer Roman aus den Jahren 1830-1832 : 3. Theil (1857)
Entstehung
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So keimten auch in Guido's, Veronika's und Ra⸗ faelens Bruſt nach geraumer Zeit wieder Glück und Freude. Das war namentlich der Fall, als Veronika ihrem Gat⸗ ten einen Knaben ſchenkte, dem nach Jahresfriſt ein

Schweſterlein folgte, das treue Ebenbild der Mutter.

Die reizende Lage des von Ottokar erkauften Gutes Weinheim, ſo wie die befreundete Nachbarſchaft, in welcher der alte brave Herr von Benno und der ſtatt⸗ liche Arthur vom Stern obenan ſtanden, trugen gleich⸗ falls viel zur Geſelligkeit und Heiterkeit auf der ſchönen Beſitzung bei.

Von ſeiner politiſchen Exaltation war Guido voll⸗ kommen geheilt. Die geläuterten und gemäßigten An⸗ ſichten der beiden genannten Freunde, mit denen er faſt

täglichen Umgang pflog, übten einen ſehr wohlthätigen

Eindruck auf den einſtigen Revolutionär. Dieſer begriff jetzt immer mehr die Wahrheit, welche in den Worten Ottokar's lag, die dieſer ſo oft zu ihm geſprochen hatte:

Wir wollen uns die Gegenwart nicht durch Ideale und den Gedanken verbittern, wie ſchön es auf Erden ſein könne, wenn dies und jenes ſo wäre; ſondern bei dem Satze ſtehen bleiben, daß es noch beſſer werden kann, und hierzu beizutragen, ſei das eifrigſte Bemühen jedes Edeln.

Ueberhaupt ward das Andenken Ottokar's in der Familie Hohenſtein wie das eines Heiligen verehrt, und wo die dunkeln Ulmen in dem Schloßgarten zu Wein⸗ heim am tieſſten ſchatten, deckt ein Würfel von weißem Marmor die Aſche des ſelig Vollendeten. Darauf ſtehen die ſchönen Worte, welche Börne an Jean Paul's Grabe ſprach:

Fragt Ihr, wo er gelebt, wo er hingekommen, wo ſeine Aſche ruht? Auf Erden hat er gelebt, in den