Teil eines Werkes 
22. Band, Der neue Cäsar : ein Seitenstück zu "1813" und "Elba und Waterloo" : 3. Band (1854)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

——

445

weil er wußte, was er ſich ſelbſt ſchuldig war, dieſe geräuſch⸗ und nebelvollen Rauchzimmer.

In einem dieſer Eſtaminets ging es beſonders laut und lebhaft zu. Hier ſaß der große Tambour⸗ Major, unter dem Namen„der Schah von Per⸗ 1 ſien“, oder auch„der große Mvor“ bekannt, im Kreiſe einer zahlreichen Zuhörerſchaft und theilte Freskv⸗Anekdoten mit, worin er eine Force beſaß.

Der Schah von Perſien hatte ſpoeben unter allgemeinem Applaus einen außerordentlichen Witz losgelaſſen und ſtrich ſich ſelbſtgefällig ſeinen Rieſen⸗ bart, indem er zur Stärkung ein neues Glas in den Magen goß. Er ward von den hör- und lachbegie⸗. rigen Kameraden beſtürmt fortzufahren. 1

Der Schah von Perſien, welcher ſtets über einen anſehnlichen Anekdotenfond zu disponiren hatte, 3 fuhr fort:

„Da reitet vorige Woche der Kaiſer durch das Thor einer kleinen Stadt in Mähren. Er wird feſt⸗ lich empfangen und von der geſammten Stadtpfeifer⸗ ſchaft feierlich angeblaſen., Es iſt eine ſehr ſchöne deutſche Arie, wenn ich nicht irre von Cherubini. Plötzlich platzt der Rapp, der unmittelbar hinter Seiner Majeſtät reitet, vor Lachen heraus. Der kleine 1 Korporal wendet ſich um und fragt: was Rapy lache?„Die Arie iſt gar zu ſchön,“ verſetzt der brave General mit thränenden Augen. Der Kaiſer erkundigt ſich genauer. Nun erklärt Rapp, der als. Elſaſſer die deutſche Muſik aus dem Fundamente

verſteht, den Text der Arie.“ „Nun wie hieß denn der?“ frugen neugierig die 1 Zuhörer. „Nun der hieß: Biſt der beſte Bruder auch nicht.“

Stolle, ſämmtl. Schriften. KRll. 10 1