Zwölftes Rapitel.
Unfern von einer der zahlreichen Batterien, welche den Haupthafen von Saint Domingo deckten, ſaß auf einer umgeſtürzten Ceder am Ufer Armand, und ſchaute düſtern Blickes über das Weltmeer, deſ⸗ ſen blaue Wellen leis zu ſeinen Füßen murmelten. In der Ferne zu ſeiner Rechten ſtieg eine weiße Möwe auf und flog über das Meer. Sehnend folgte das Auge des Jünglings dem Fluge dieſes Vogels. Dorthin lag ja Frankreich, dort wohnten ſeine Lie⸗ ben und Alles, was ihm theuer war auf Erden. Ein tiefer, nagender Gram hatte ſich ſeines Innern be⸗ mächtigt. War er auch von dem General Ferrand, welcher auf der Inſel den Oberbefehl führte, recht freundſchaftlich aufgenommen worden und lebte er mit ſeinen Kameraden auf beſtem Fuße, ſo wußte er doch, daß der große Mann, den er über Alles verehrte, übel von ihm dachte, und dieſer Gedanke vergiftete ſein Daſein.
Seine Abreiſe von Europa war ſo ſchnell vor ſich gegangen, daß er eine Antwort auf den Brief, worin er dem General Junot ſein trauriges Schick⸗ ſal zu wiſſen gethan und um deſſen Beiſtand gefleht, nicht hatte abwarten können. Nun befand er ſich ſchon geraume Zeit auf Domingo, manches Schiff war von Europa angelangt, aber keines hatte ihm ein Paar Zeilen oder einen freundlichen Gruß aus dem geliebten Heimathlande mitgebracht.
Seine Lage war in der That beklagenswerth. Niemand befand ſich unter der kaiſerlichen Regierung wohl ſchlimmer, als wer mit der geheimen Polizei in


