Teil eines Werkes 
19. Band, Camelien : Novellen und Erzählungen : 2. Band (1854)
Entstehung
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1.

Es war tiefe Sommernacht. Dunkle Stille ruhte über dem Garten. Ich ſaß auf der Gartenbank am Hauſe. Dort oben zogen die Sterne. In der Ferne erklang leiſe die elfte Stunde und ein Glühwürmchen blühte einſam im Gebüſch. Ruhe, tiefe Ruhe ſank herab. Liebe Bilder freundlicher Vergangenheit wan⸗ delten vorüber. Ich war recht glücklich. Da vernahm ich Geflüſter. Zwei geiſterblumige Narziſſen blühten vor mir auf dem Beete.

Schläfſt Du ſchon, Bella? fragte die eine.

Ich nickte nur ein wenig.

Viola war ſo eben hier. Sie läßt Dich grüßen. Denk' nur, das arme Kind darf nicht blühen. Sie weinte bitterlich, muß noch heute zur Heimath.

Ach, warum denn, Schweſter?

Es war um einen goldnen Sonnenblick zu thun, und ſie wäre erblüht in lieblicher Pracht, da hat ſie heut ein Ziegenbock als Knöspchen gefreſſen.

Armes, armes Kind!

Du weißt, wie ſie ſich gefreut hatte die langen Jahre daher, wie wir ihr nicht genug erzählen konn⸗ ten von den Frühlingen der Erde.

Sie ſah die Sonne noch nie?

9