Teil eines Werkes 
19. Band, Camelien : Novellen und Erzählungen : 2. Band (1854)
Entstehung
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heutige Leidensgeſchichte der Wahrheit getreu nieder und ſchickte das Actenſtück nebſt einem Briefe an den ſchen Geſandten, deſſen Söhnlein ich Pianoforte⸗ unterricht zu geben die Ehre hatte, worin ich herz⸗ zerreißend meine Lage darſtellte und um des Geſand⸗ ten gütige Verwendung bei der hohen königl. fran⸗ zöſiſchen Regierung und deren wohllöblichen Polizei flehte, da es ja Sr. allerchriſtlichen Majeſtät, Herrn Louis Philipp, König der Franzoſen und König von Navarra, ziemlich einerlei ſein könnte, ob ein armer Muſikus einen Kopf mehr hätte oder weniger. Unverſiegelt mußte ich das Schreiben abgeben, von meinen heißen Segenswünſchen begleitet.

Eine lange, ſchreckliche Nacht voller Todesgedan⸗ ken folgte dem ſchrecklichen Tage. Aber mit dem Morgenrothe des 29. Juli brach wieder die Glücks⸗ ſonne herauf. Es war noch früher Morgen, als ich ſchon die Schlöſſer klirren und die Riegel wegſchieben hörte. Endlich öffnete ſich die Thüre. Mein Herz arbeitete wie ein Schmiedehammer. In der erſten Angſt hielt ich den einen Begleiter des Gefängniß⸗ wärters für den Geiſtlichen, der mich zum Tode vor⸗ bereiten ſollte. Ich war einer Ohnmacht nahe. Aber bald löſte ſich der Irrthum. So ein Stück von einem deutſchen Aktuarius, wenigſtens was wir einen Aktuar nennen, kündigte mir die Freiheit an mit der Er⸗ mahnung, mich künftig von der Geſellſchaft der Car⸗ liſten und Republikaner fern zu halten, weil ich ſonſt die ganze Strenge des Geſetzes würde zu empfinden haben. Die diesmalige Nachſicht habe ich blos der hohen Fürſprache eines hohen Gönners zu verdanken, welcher günſtiges Zengniß für mich abgelegt.

Wer war glicklicher als ich. In der erſten Freude ſchwur ich laut Pech und Schwefel allen Car⸗