Teil eines Werkes 
19. Band, Camelien : Novellen und Erzählungen : 2. Band (1854)
Entstehung
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erworbenem Gute kein ſogenannter Segen ruht. Was hab' ich mich mein Leben lang geplackt, auf erlaubtem wie unerlaubtem Wege Reichthümer zuſammenzuſchar⸗ ren. Wie manche arme Wittwe, manchen bedrängten Familienvater hab' ich oft wegen wenig Thalern auf's Blut gepeinigt. Lange Zeit ging auch die Sache ganz vortrefflich. Meine Güter vermehrten ſich zu⸗ ſehends; ich ward reich, ſehr reich. Und jetzt, was iſt mir von allen dieſen oft ſehr ſauer erworbenen Schätzen geblieben? Waren die völlig unvorhergeſehe⸗ nen Unglücksfälle der letzten Jahre nicht hinreichend, Alles zu verſchlingen und mich zum Bettler zu ma⸗ chen? Alſo kann auf dieſem Erwerbthum unmöglich viel Segen geruht haben. Um dieſes einzuſehen, be⸗ darf es nicht einmal eines großen Glaubens an eine ſogenannte göttliche Gerechtigkeit.“

Der Prediger rügte nicht die Gottesläſterung, die in den letzten Worten des Kranken lag, ſondern erwiederte mit Milde:„O, mein Freund, wie oft werden wir durch wunderſame Beiſpiele überraſcht, aus welchen wir erkennen, wie die üble That ſchon auf Erden üble Früchte trägt, ſei es auch oft nach vielen Jahren, und wir werden hier unwillkürlich an eine Nemeſis, an die Gerechtigkeit einer unſichtbaren Macht gemahnt. Doch wie das Böſe ſich beſtraft, in um ſo reichern Maße belohnt ſich auch das Gute, und ſo wird auch für Ihre guten Thaten der Segen nicht außenbleiben, beruhe er vor der Hand auch nur im beſeligenden Bewußtſein.“

„Gute Thaten?“ verſetzte der einſtige Reiche mit bitterm Lächeln,„davon weiß ich in meinem Leben allerdings nichts.“

„O, beſinnen Sie ſich nur,“ fuhr der Geiſtliche tröſtend fort,„da werden Sie gewiß auf freundliche,