Der einſt reiche und gewaltige Kaufmann van der Weſten lag auf dem letzten Lager. Dem Ausſpruche ſeines Arztes nach hatte er nur noch wenige Tage zu leben. Der innere und äußere Zuſtand des Kran⸗ ken war wahrhaft bejammernswerth. Er, der in ſei⸗ nem Leben nie nach geiſtlichem Troſtſpruch verlangt, hatte nach dem Geiſtlichen ſeines Stadtviertels ge⸗ ſchickt. Der würdige Seelſorger erſchien, nahm an dem Leidenslager Platz und der kranke Sünder be⸗ gann ſogleich mit der Frage:
„Glauben Sie, Herr Paſtor, an einen Segen des Himmels?“
Der Geiſtliche war keiner von den orthodoxen Eiferern, welche ſogleich mit dem Zorne des Himmels bei der Hand ſind, ſondern er war von der beſeli⸗ genden Lehre unſeres Heilands erleuchtet und erwärmt. Er erkannte alsbald mit Wehmuth das verödete und von Zweifeln und Gewiſſensbiſſen gefolterte Gemüth ſeines Beichtbefohlenen. Er antwortete alſo ſeines heiligen Amtes würdig voll Liebe und Verſöhnung.
Der Kranke hörte ſchweigend zu und verſetzte endlich:
„Ob ich an einen Segen des Himmels glauben ſoll, weiß ich dermalen noch nicht; aber ſo viel hat mich die eigene Erfahrung gelehrt, daß auf unrecht


