Teil eines Werkes 
19. Band, Camelien : Novellen und Erzählungen : 2. Band (1854)
Entstehung
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„Stlig, die da reines Herzens find, denn ſie werden Gott ſchauen!“

Mit dieſen Worten hatte der bejahrte Prediger Gotthold ſeine Rede geſchloſſen, die er den nächſten Morgen, als zum Neujahrstage, vor ſeiner Gemeinde halten wollte.

Er überſchaute nochmals mit ſtiller Zufriedenheit ſein Werk. Hoffte er doch damit von Neuem den Samen des göttlichen Wortes in die Herzen Vieler zu ſtreuen, den Betrübten zu tröſten, den Zweifeln⸗ den aufzurichten, den Gläubigen zu erbauen.

Der würdige Geiſtliche, der ſchon manches Jahr ſeiner Gemeinde als getreuer Seelſorger vorſtand, liebte nicht glänzenden Redeprunk in ſeinen Vorträgen. Einfach, klar, faßlich, ganz für Geiſt und Gemüth ſeiner Landbewohner berechnet, floß ſeine Rede dahin, wie ein Bach aus reiner Quelle kommend, ſegens⸗ reich und befruchtend.

Nachdem Gotthold ſeine Rede überflogen, legte er ſie auf die Seite, unterſuchte die mit Mvos wohl⸗ verwahrten Fenſter, damit der rauhe Winter, der draußen ſtürmiſch ſein eiſiges Haupt ſchüttelte, in das geheizte Gemach nicht herein dringe, und ſtopfte ſich ſein Abendpfeifchen. Dann wandte er ſich zu der bejahrten Haushälterin.

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