Teil eines Werkes 
17. Band, Die Erbschaft in Kabul : komischer Roman : 1. Band (1854)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

167

„Aber Herr Lagemann, Ihre Wirthſchaft, Ihr ange⸗ brachtes Geſchäft, bedenken Sie!“

„Iſt meine Sache,“ fiel der Magdeburger eifrig ein,„ohne mich geht's fort, die Nahrung iſt jetzt 8 Große nicht, meine Frau verricht's. Da Sie mir zehn Prozent der Erbſchaft gewähren, hoff' ich den Schaden ertragen zu können; bekomme überdies die Welt zu ſehen und mache Erfahrung Um letzteres iſt mir's eigentlich, nach Gelde ſteht mein Sinn we⸗ niger; Geld macht nicht glücklich, aber Erfahrung, Bildung, Weltſchau.“

Der Secretair erſchrak, als Lagemann von den zehn Prozenten wie von einer ausgemachten Sache ſprach. Er gab nicht ohne Befangenheit zu bedenken, daß er zuvor doch mit ſeiner Frau Mutter, als der eigentlichen Erbin, wegen der gewünſchten Tantieme und der Mitfahrt Rückſprache nehmen müſſe.

Lagemann erklärte dies für überflüſſig.

„Ihre Frau Mutter,“ ſprach er,„wird Gott dan⸗ ken, wenn ein erfahrner Mann für ſo Billiges Sie begleitet, ſo mutterſeelallein können und dürfen wir Sie nicht fort laſſen. Von Niederroßla bis Kabul iſt kein Katzenſprung, fragen Sie Henoch, der hat es ſchwarz auf weiß. Die Reiſe iſt nicht ohne Gefahr; in Aſien iſt die Polizei nicht ſo auf den Beinen wie bei uns; man hat einen Schnitt in die Kehle, einen Strick am Halſe, ohne daß man weiß, woher er eigentlich kommt; die Aſiten befitzen hierin Fertig⸗ keit; der wilden Elephanten, geſtreiften Panther und des wilden Viehs nicht zu gedenken; man wird ge⸗ freſſen, verſchwindet von der Erde mit Haut und Haar und kein Hahn kräht darum, weder ein aſiati⸗ ſcher noch europäiſcher; ich begreife nicht, wie der Hofmaler ſo durchgekommen iſt. Die zehn Prozent