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Niederroßla unter Waſſer ſetzte und bedeutenden Scha⸗ den anrichtete, wußten ſich die Bewohner der genann⸗ ten Stadt keines Ereigniſſes zu entſinnen, welches einen ſo tiefgehenden Eindruck auf Geiſt und Herz hervorgebracht hätte, als dieſes in Nummer 16 des Wochenblattes publicirte Actenſtück.
Balthaſar Drollinger— Hofmaler— Kabul— Teſtament; dies waren die Markſteine und Signalflaggen, über welche hinaus das Geſpräch, ſo ein Collegium(wozu bekanntlich nur drei gehören) Niederroßlaer zuſammentrafen, ſich ſelten verirrte. Zu⸗ gleich hielt es jeder angeſeſſene, wie nicht angeſeſſene Familienvater für Pflicht, über beſagten Balthaſar Drollinger umfangreiche genealogiſche Forſchungen an⸗ zuſtellen, und dabei im Stillen das Spinngewebe der eignen, wenn auch zeither vernachläſſigten Sippe ſo weit als möglich auszuſpannen, in der Hoffnung, daß ſich darin eine Kabul'ſche Erbfliege fange.
Gemeinſame Beſtrebungen, ſo ſie ein und daſſelbe Ziel verfolgen, vermögen viel, das lehrt die Ge⸗ ſchichte; und ſo war es auch noch vor Ablauf der nächſten Woche in Niederroßla eine ausgemachte Sache, daß Peter Drollinger, Thonpfeifenverfertiger, den acht⸗ zehnten Juli 17., an Leberverhärtung, acht und funf⸗ zig Jahre alt, in der Webergaſſe verſchieden und den zwanzigſten m. in der Stille auf dem Friedhofe zu Unſrer lieben Frauen zur Erde beſtattet worden ſei. Er hatte einen jüngern Bruder Johannes und einen fünfzehnjährigen Sohn Balthaſar, den Hofma⸗ ler, hinterlaſſen. Johannes ſtarb als Pfarrer eines kleinen, zwei Stunden von Niederroßla gelegenen Dorfes; ſeine Wittwe und ein Sohn lebten noch ge⸗ genwärtig in Niederroßla. Erſtere erwarb ſich ihr Brot mühſam durch Unterricht kleiner Mädchen in


