137
Der Nimrod, der dieſe troſtreichen Worte ſprach,
war Niemand anders, als der Beherrſcher des Wal⸗ des, der alte Oberförſter 3Z..., ein ſtattlicher Greis, wie ihn Iffland nicht gediegener hervorbrin⸗ gen konnte.
Sowie ich nur einigermaßen im Trocknen ſaß' brach die Poeſie aus allen Winkeln hervor. Der Vater des Förſters hatte den ſiebenjährigen Krieg mitgemacht, der Urahne, den dreißigjährigen. Ich lernte dieſen Abend mehr deutſche Geſchichte, als ein deutſcher Profeſſor im längſten Semeſter vorbringt. Wallenſtein und Friedrich der Große wandelten in der kleinen Förſterwohnung leibhaftig auf und ab.
Dabei ſaß die ſchöne Spinnerin wie ein leben⸗ diges Mährchen mir gegenüber. Sie gehörte zu jenen liebenswürdigen Gazellen, die von Kopf bis Fuß roſenlaunig und übermuthfröhlich, ſobald aber ein Fremdling naht, wie erſchrockene Roſen ſich zurück⸗ ziehen und die langen ſeidenen Wimpern tief und ſittig über die blühenden Augen herabfallen laſſen. Meine herzlichen Fragen wurden ſchüchtern, faſt ein⸗ ſilbig beantwortet, und nur ſelten erhob ſich der zarte Flor, und ich ſchaute in das reizende Reich der Unendlichkeit.
Zur irdiſchen Glückſeligkeit gehört im Grunde ſehr wenig. Ein gemüthlicher Seſſel und vor uns eine ſiebenzehnjährige Göttin. Ich überlegte eben, wie dem Jüngling zu Muthe ſein müſſe, wenn jene ſüßen frommen Lippen zu ihm das bekannte Wort „Liebe“ ſprächen, und jene Wunderſterne dazu be⸗ kenntnißinnig leuchteten, als mich der alte Förſter mit der Frage unterbrach:„Ob ich den Ali Paſcha von Janina nicht für einen Höllenhund erkenne?“
Ich erkannte ſofort den Ali Paſcha für einen


