Teil eines Werkes 
23. Band, Je länger je lieber : Phantasiestücke und Erzählungen : 2. Band (1855)
Entstehung
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zu erhalten; ſie hatten voll heiligen Eifers das Blaue vom Himmel herabgedonnert, nur ich, der Unglücks⸗ vogel, war, trotz wiederholten Anſuchens, immer leer ausgegangen. Jetzt endlich war auch mir die Arena geöffnet, und ich junger Kämpe brauchte nun mein Licht nicht länger unter den Scheffel zu ſtellen, ſon⸗ dern durfte es leuchten laſſen vor den Leuten.

Mir war es außerordentlich lieb, daß ich meine erſte Predigt nicht in einer der Stadtkirchen zu hal⸗ ten brauchte. Erſtens, erhielten ſolche junge Schlucker, wie meine Wenigkeit, in der Regel nur⸗ die Mittags⸗ oder Nachmittagspredigten, wo, außer ein Paar al⸗ ten, halbtauben Weibern, höchſtens ein Paar ſpott⸗ luſtige Commilitonen, die durch allerhand Geſticula⸗ tionen den jungen Demoſthenes außer Faſſung zu bringen ſuchten, in die Kirche kamen, und dann hatte von jeher eine Dorfkirche mehr Feierlichkeit für mich, als die dumpfen hochgewölbten Tempel der ſündhaften Stadt.

Alſo nicht in ſchwüler, proſaiſcher Mittags- oder Nachmittagsſtunde ſollte ich da oben ſtehen unter dem ſchön verzierten Himmelsdach der Kanzel, ſondern in freundlicher Morgenbeleuchtung Vormittags neun Uhr, wo das Kirchlein gerüttelt und geſchüttelt voll an⸗ dächtiger Chriſten, und wo ſelbſt die gnädige Guts⸗ herrſchaft nicht fehlte.

Mein Lieblingsſpruch:„Selig die da reines Her⸗ zens find, denn ſie werden Gott ſchauen!“ hatte mir als Thema zu meiner Predigt gedient, die ich am vierzehnten Sonntag nach Trinitatis in der Kirche zu Buchenheim zu halten gedachte. Ich hatte mit Luſt und Liebe daran geſchrieben und war ſelbſt ganz er⸗ baut davon. Was das Memoriren anbelangte, ſo ſtellte ich meinen Mann, und die Rede glitt mir ſo