S. war mir's denn endlich gelungen; ein langjäh⸗ riger Lieblingswunſch erfüllt worden, der Brief lag vor mir; richtig, es war nichts anders,— ich ſollte den vierzehnten Sonntag nach Trinitatis in der freund⸗ lichen Dorfkirche zu Buchenheim eine Gaſtpredigt halten.
Was hätte ich drum gegeben, Dich, verklärte Mutter, aus dem ſtillen Grabe heraufzubeſchwören; es war ja auch Dein ſchönſter Wunſch hienieden, mich einmal im ſchwarzen Predigergewande, mit dem wei⸗ ßen Prieſterkrägelchen auf der heiligen Kanzel zu ſe⸗ hen, und recht glaubensvoll, wie den ſeligen Vater, das Wort Gottes der andächtigen Gemeinde verkün⸗ digen zu hören.
Wiederholt durchlas ich das Einladungsſchreiben des wackern Predigers zu Buchenheim, welches freund⸗ liche Dörfchen fünf Stunden weit von dem Univerſi⸗ tätsorte, wo ich mich damals befand, in anmuthiger Gegend gelegen war. Denn man muß wiſſen, daß ich als gewiſſenhafter Studioſus der hetligen Gottes⸗ gelahrtheit noch an den Brüſten der alma mater lag und im fünften Semeſter meines akademiſchen Tri⸗ ennii ſtand. Faſt allen meinen befreundeten Commili⸗ tonen war es gelungen, theils in den Stadtkirchen, theils in den benachbarten Ortſchaften Gaſtpredigten


