Teil eines Werkes 
18. Band, Die Erbschaft in Kabul : komischer Roman : 1. Band (1854)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

221

chen und ſie als geringe Erkenntlichkeit mit mannig⸗ fachen europäiſchen Gegenſtänden, welche der unſich⸗ tige Victor in Bombai eingehandelt, beſchenkt und ausnehmend erfreut hatte, verließ man Kabul an ei⸗ nem ſchönen Frühlingsmorgen.

Bereits nach mehren Wochen trug ein ſtattlicher Kauffahrteifahrer, deſſen weiße Segel von dem gün⸗ ſtigſten Winde geſchwellt wurden, die Erbſchaar nach der umfriedeten Heimath.

Zehntes Rapitel.

N

Berits im Herbſt deſſelben Jahres, eben als die Aſtern zu blühen begannen, vereinigte das Weichbild von Niederroßla ſämmtliche Erbfahrer. Kaum war die Nachricht von ihrem Herannahen bekannt worden, als ein förmlicher Aufruhr entſtand, wie ſolcher in Niederroßla nie war erlebt worden. Sämmtliche Be⸗ wohner der Stadt, mit Ausnahme der Sterbenden und Gebärenden, zogen den aſiatiſchen Ankömmlin⸗ gen ſtundenweit entgegen, obſchon der Stadtrath, der ebenfalls zu Hauſe blieb, in Ermangelung des gold⸗ nen Krokodills alle Empfangsfeierlichkeiten ausdrücklich verboten hatte.

Alles war voll Jubel und guter Dinge, bis auf den Senat, den Bürgermeiſter Sebaſtian Flaminius an der Spitze und die verwittwete Lagemann, geborne Grümpler, welche indeß nur auf einem Auge weinte, der Leute halber, während ſie mit dem andern gleich⸗ falls lachte. Es hätte der guten Frau gar nichts