blühender Mädchenkopf, deſſen glänzendes Haupthaar in kunſtreichen Flechten herabfiel, ward ſichtbar und eine Silberſtimme frug:„Störe ich wohl?“
„Nur näher, Olivia,“ erwiederte lächelnd Haſſan⸗ ben⸗Mullah und winkte mit der Hand,„Du ſtörſt uns im Geringſten nicht.“
Ein zwölfjähriges reizendes Geſchöpf in männliche Afghanentracht gekleidet, hüpfte jetzt in die Laube und ließ ſich neben ſeinem Vater nieder.
„Herrliche Nachrichten,“ jubelte die Kleine,„der Gaſtfreund Runſchid läßt Dir ſagen, Väterchen, daß die Karawane des Mirza Osman heut Morgen an⸗ gelangt iſt und am Ufer des Indus lagert. Sie geht direct nach Lahora und beut uns die ſchönſte Gele⸗ genheit, das britiſche Gebiet zu erreichen.“
Der edle Runſchid, ein wohlhabender Handels⸗ herr von Attok, dem der herrliche Landſitz, wo die gegenwärtige Scene ſpielte, angehörte, und welcher bereits ſeit Jahren mit Haſſan⸗ben⸗Mullah auf be⸗ freundetem Fuße lebte, trat jetzt herein und beſtätigte die Ausſage Olivia's.
„Ihr könnt nicht ſicherer reiſen,“ ſprach er,„als mit Osman, der mein Freund iſt und mit dem ich Euretwegen bereits geſprochen habe. Von der ganzen Karawane kennt Euch Niemand, denn ſie kommt direct von Bukarah und hat Kabul nicht berührt, ſondern ihren Weg über Kandahar genommen. Alſo entſchlagt Euch jeder Beſorgniß. Doch jetzt kommt, die Sonne will eben verſcheiden und das Abendeſſen harret.“
Freudig ſprang Haſſan-ben⸗Mullah von ſeinem Sitze auf und folgte in Begleitung ſeiner Tochter und des ehrlichen Ismael dem Gaſtfreunde in deſſen rei⸗ zend gelegenen und im morgenländiſchen Geſchmacke


