Teil eines Werkes 
16. Band, Moosrosen : Novellen und Erzählungen : 2. Band (1854)
Entstehung
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Seinigen und ſeine Ahnung hatte ihn nicht be⸗ trogen, das Bellen erſcholl jetzt wenige Fuß tief.

Picas, Picas, lockte Andreas, und gleich darauf arbeitete ſich der Gerufene bis zu den Verſchütteten durch. Das Thier war außer ſich vor Freude. Es heulte und ſchrie, war aber auch gleich wieder verſchwunden.

Andreas war auf die Kniee geſunken. Thränen des ſeligſten Entzückens entrollten ſeinen Augen.

Nun werden wir bald den Tag erblicken, meine Lieben! rief der überglückliche Jüngling;Picas war da und arbeitet ſich eben wieder durch den Schnee. Er iſt unſer Retter.

Wirklich vernahm man auch bald das freudige Gebell des treuen Hundes. Das kluge Thier leitete die nachgrabenden Liebethaler auf die rechte Spur. Immer näher kamen die Retter. Bald vernahmen auch ſie die Stimme des Andreas, und nach Verlauf einer kleinen Stunde durchbrach das erſte Grabſcheit von außen die ſchwache Schneewand, welche den Be⸗ grabenen das Licht des Tages verbarg.

Ein allgemeiner Ruf des Entzückens erſcholl durch die zahlreich verſammelten braven Bewohner von Lie⸗ bethal, welche bereits ſeit Neujahr, wo die Lawine des Adlerſteins gefallen war, Tag und Nacht mit Unermüdlichkeit gearbeitet hatten. Aber alle Mühe dieſer guten Leute würde vergeblich und die Ver⸗ ſchütteten einem unvermeidlichen Tode preisgegeben geweſen ſein, wenn nicht das treue Thier die rechte Stelle ausfindig gemacht und den Weg gezeigt hätte, denn die Lawine hatte faſt das ganze Thal thurm⸗ hoch verſchüttet.

Spaten d Wurfſchippen wurden weggeworfen und alle die rüſtigen Arbeiter fielen auf die Kniee, als der ehrwürdige Nicodemus mit Marien, Martin