—
165
Lande; denn alſo ſtehet geſchrieben durch den Pro⸗ pheten:
„Und du Bethlehem im jüdiſchen Lande biſt mit nichten die kleinſte unter den Fürſten Juda, denn aus dir ſoll mir kommen der Herzog, der über mein Volk Iſrael ein Herr ſei.
„Da berief Herodes die Weiſen heimlich und er⸗ lernte mit Fleiß von ihnen, wann der Stern erſchie⸗ nen wäre.
„Und wies ſie gen Bethlehem und ſprach: Ziehet hin und forſchet fleißig nach dem Kindlein und wenn Ihr es findet, ſo ſaget mir's wieder, daß ich auch komme und es anbete.
„Als ſie nun den König gehöret hatten, zogen ſie hin und ſiehe, der Stern, den ſie im Morgenlande geſehen hatten, ging vor ihnen her, bis daß er kam und ſtand oben über, da das Kindlein war.
„Da ſie den Stern ſahen, wurden ſie hoch erfreut.
„Und gingen in das Haus und fanden das Kind⸗ lein mit Maria ſeiner Mutter und fielen nieder und beteten es an und thaten ihre Schätze auf und ſchenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhen.“—
„Um Gottes Willen, was war das?“ rief auf⸗ ſpringend Marie und ward bleich wie der Tod. Ein ferner dumpfer Donner rollte grollend durch die Berge.
„Eine Lawine kaum zwei Stunden von hier,“ antwortete Andreas, der aus dem Gemach ſtürzte.
Der ſchönſte Sternenhimmel wölbte ſich über den Felſen. Rings herrſchte Todtenſtille; man konnte ein Sandkorn fallen hören. Der ferne Donner war verſtummt.
Andreas ſchaute mit erhöhter Beſorgniß nach dem Adlerſteine. Da war es ihm, als habe ſich die


