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In majeſtätiſcher Winterpracht ſtarrten die hohen Firnen des St. Gotthard. Weithin, ſo weit das Auge reichte, erblickte man nichts als eine Einöde von Felſen und Eis. Die höchſten Spitzen des ge⸗ waltigen Gebirgskammes ſchimmerten in der gewohn⸗ ten roſenrothen Verklärung und warfen endloſe Schatten auf die tieferliegenden Gegenden. Eine hehre Stille, wie ſie nur den Wüſten Afrika's und den Savannen Nordamerika's eigenthümlich, ruhte über der verſtei⸗ nerten Gegend. Die Sonne ſank prachtvoll und in den Thälern dunkelte der Abend.
Der alte Vater Nicodemus, ein noch rüſtiger Sieb⸗ ziger, weit und breit berühmt durch ſeine Kenntniß der Heilkraft der Alpenkräuter, durch ſeine guten Leh⸗ ren im Glück und ſtärkende Troſtſprüche im Unglück, ſaß auf dem gewohnten Platze am wohlerwärmten Ofen und hatte ein Kapitel der Bibel, aus welchem heiligen Buche er allſonntäglich mit lauter Stimme und ohne Brille ſeiner frommen und ſchönen Tochter Marie und ſeinem Enkel, dem kleinen Martin, vor⸗ zuleſen pflegte, beendet. Hell und vernehmlich klang die Vesperglocke des Neujahrstages aus dem unfern gelegenen Dörfchen Liebethal. Die Wohnung des alten Kräuterſammlers lag einſam am Fuße des großen


