Teil eines Werkes 
16. Band, Moosrosen : Novellen und Erzählungen : 2. Band (1854)
Entstehung
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fluſſige Gold in den Pokalen. Immer mehr ſchloſſen ſich die Herzen auf, immer beredter wurden die Zungen. Da erhob ſich Eginhard, gebot die Becher zu füllen, ſintemal er noch einen Toaſt auszubringen habe. Man that, wie er befohlen, eine allgemeine Stille erfolgte. Wir haben nun, begann er,alle Welt hoch⸗ leben laſſen, aber wie der Menſch immer undankbar gegen ſeine größten Wohlthäter iſt, ſo haben auch wir eine Hauptperſon bei unſern Tyaſten vergeſſen. Wenn ich nämlich das Facit ziebe und als exacter Philoſoph unterſuche, wem wir eigentlich den heutigen Feſttag und Alles, was Liebes darum und daran hängt, zu verdanken haben, ſo ſtellt ſich uns ein holdes Kind dar, das allerdings ſchon vor vierhundert Jahren ge⸗ lebt hat; denn geſtehen wir es nur, ohne die Roſe von Segovia würde unſer Hans da ſchwerlich die nähere Bekanntſchaft ſeiner dermaligen lieben Frau gemacht haben, und die Götter mögen es wiſſen, was aus mir Phantaſten geworden wäre. Als vor drei Jahren jeder der verehrten Herren ſeine Roſe auf Buchenfels gefun⸗ den hatte, ging auch ich mit mir ernſtlich zu Rathe und probirte das Sprichwort, wer da ſucht, der findet; ſo habe auch ich mein herzliches Röſelein gefunden. Hier ſitzt es, Jedermann kann es ſehen. Ein Philv⸗ ſoph und ein dankbar Gemüth ſoll aber nie das eine über das andere vergeſſen. Darum rufe ich jetzt aus vollem Herzen: Es lebe das reizende Königskind, möge es aus ſeinem Himmel lächelnd auf den unſern herab⸗ ſchauen es lebe die Roſe von Segovia! Die Trompeten ſchmetterten, die Gläſer klangen; man umarmte und küßte ſich; und der Abendſtern, der ſo eben hinter Buchenwäldern lächelnd unterging, hatte lange keine ſo glücklichen und ſeligen Menſchen er⸗ ſchaut, wie heute.