Teil eines Werkes 
16. Band, Moosrosen : Novellen und Erzählungen : 2. Band (1854)
Entstehung
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Dieſe poetiſchen und hochromantiſchen Expectora⸗ tionen wurden übrigens plötzlich auf ziemlich proſaiſche Weiſe unterbrochen. Vom Schloſſe her wurden Stim⸗ men laut und ein raſendes Hundegebell durchſcholl die Luft. Nach dem energiſchen Baſſe, in welchem dieſe Hunde bellten, war auf tüchtige Bullenbeißer zu ſchließen.

Sultan, Paſcha, faß! tönte es immer näher und ſchon vernahm man, wie die gefeſſelten Beſtien durch die Geſträuche brachen.

Eginhard ſuchte jetzt in ſchnellſten Sätzen die Mauerſtelle zu erreichen, wo er herabgeklettert war. Er bemühte ſich, mit der außerordentlichſten Behän⸗ digkeit emporzuklimmen, aber bereits ſaß ihm der Paſcha auf den Ferſen und packte den Flüchtling an den Schößen des altdeutſchen Rockes.

Halt, rief eine Stimme,oder ich gebe Feuer. Dabei knackte ein Hahn auf ſo verdächtige Weiſe, daß Eginhard den entfernteſten Gedanken an eine Flucht aufgab. Er blieb daher kerzengerade, mit dem Ge⸗ ſichte gegen die Mauer gekehrt, ſtehen. Der Paſcha, ein echter Wolfsfänger, war ihm nämlich mit den Vorderpfoten auf die Achſeln geſprungen und hielt den Romantiker ſo energiſch am Rockkragen, daß er ſich nicht rühren, ja den Kopf nicht einmal ein we⸗ nig ſeitwärts biegen konnte. Unterdeß kam auch Sul⸗ tan herangebrauſt und faßte Eginhard von vorn. So ſtand er vollends eingemauert.

Wer ſeid Ihr, was wollt Ihr hier? fuhr die Stimme im barſchen Tone fort.

Ach, hochverehrteſter Herr Schloßcaſtellan oder Oberförſter, oder wer Ihr ſonſt ſeid, lamentirte Eginhard,ruft nur die kannibaliſchen Beſtien zurück, ich will Euch gern Rede ſtehen. Ich bin der fried⸗ fertigſte Menſch, den die Sonne beſcheint.