Teil eines Werkes 
16. Band, Moosrosen : Novellen und Erzählungen : 2. Band (1854)
Entstehung
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4.

O meine Leſer, ich hoffe, es iſt keiner unter Euch, der nicht einen Haufen duftender Frühlingsabende in der Bruſt trüge, ſei's in der Erinnerung, ſei's in der Hoffnung. Ich bitte Euch, ſucht einen der ſchön⸗ ſten heraus, ſo Ende Mai, ungefähr acht Tage vor der Himmelfahrt, wo der tief ſchattende Flieder, mit violetten Trauben überhangen, ſteht, wo die Akazien ihre Silberblüthen angezündet und die Kaſtanien ihre Chriſtbäumchen des Mai's. Schon keimt der erſte Purpurblick in den Buſen der Roſen. Die Sonne iſt geſunken, die Lerchen ſingen ihr nach im Abend⸗ roth. Aus der Ferne einſames Abendlauten, ſonſt Alles ſtill und heilig. Nur die von der Sonne ver⸗ laſſnen Blüthen trauern und duften inniger vor Liebe und Sehnſucht.

Dann provvzir' ich an Euch, erleuchtete Häupter, die Ihr hinter Akten, Krankenbetten und Leichenpre⸗ digten thut und ſchaffet, was Eures Amtes; blickt einmal zurück durch einige Decennien, in die Zeit, wo Ihr unbeweibt, aus froher Bruſt dasGaudeamus ſanget, in den Auditorien und Karzern Euch ennuyir⸗ tet, am Ende des Halbjahrs aber froh und ſelig hin⸗ aus zoget eines Abends in den Frühling, in die Hei⸗ math; Ihr werdet ein Auge zudrücken, wenn ſich unſre Wandrer bereits innerhalb des ſtädtiſchen Po⸗ lizeidiſtrikts, wo alles Rauchen bei harter Strafe ver⸗ boten war, ihre Cigarren angezündet und himmel⸗ glücklich dahin ſelbanderten.

Eginhard hätte die ganze Welt umarmen mögen und grüßte Alles, was ihm in den Weg kam; Hübſche und Häßliche, Bekannte und Unbekannte, Jung und

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