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eine ſchmale Treppe zum tiefunterſten Keller führte. Hier lagen in dunkler, geheimnißvoller Stille die Cabinetsſtücke des Orlando, in langen Reihen. Was die Sonne vor langen, langen Jahren gekocht hatte auf fernen weinfröhlichen Hügeln, ruhte ſtill und hei⸗ lig in den gediegnen Stückfäſſern. Hier lagerten die ſchweren dunkeln Ungarweine, die goldnen Perlen des Rheingaus, die flammenden Italiener und der ölige, dunkelfarbige Ausbruch des glühenden Hispaniens.
Eginhard und Johannes, die Bruſt voll Himmel und der Eine überdies drei wahrhaftige Louisd'ors in der Taſche, hatten eben im Sonnenlichte geſchworen, einmal einen Ducaten nicht anzuſehen und lebendi⸗ gen Leibes hinabzufahren zum Grabe.
„Es iſt nur Jammerſchade,“ meinte Eginhard im Hinabklettern,„daß ich Hauf's Rathskeller nicht zu mir geſteckt habe,“ und Hans beſtellte eine Flaſche Pedro Kimenes. Zwei Wachskerzen erleuchteten dü⸗ ſter die todte Weingruft; der dunkle Spanier flammte und duftete; die Römer klangen an einander.
„Den heimgegangenen Lieben,“ begann Johannes anſtoßend,„und allen guten Menſchen, die dort oben wandeln in Freud' und Schmerz!“
„Und in Specie,“ fügte Eginhard hinzu„Dein Onkel nebſt den holden Couſinen. Unſre Landsmann⸗ ſchafter würden ſagen: es iſt ein Prachtphiliſter. Jetzt aber, Hans, beſchwör' ich Dich, vor allen Din⸗ gen und mit allem Ernſte unſre poetiſche Situation gehörig zu überlegen. Man muß ſich derſelben nur recht bewußt werden. Bedenke, da zwei Etagen tief im Eingeweide der Erde bei Kerzenlicht und gefüllten Bechern. Ueber uns trampelt die Proſa herum wie toll, und über dieſer jubeln die Lerchen im himmli⸗ ſchen Blau. Sonſt überall Frühling; die Blumen


