Teil eines Werkes 
14. Band, Elba und Waterloo : historischer Roman : (Fortsetzung von "1813" von demselben Verfasser) : 2. Band (1854)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

30

dem Kabinete des Kaiſers. Zufällig iſt Niemand da, der ihn anmeldet.

Der Herzog öffnet daher leiſe und halb die Thüre.

„Sire,“ ſpricht er,„es iſt Caulaincvurt;“ worauf er vollends in's Zimmer tritt.

„Schon?!“ fragt der Kaiſer, und ſein durch⸗ dringender, raſcher Blick ſcheint die verhängnißvolle Miſſion ſeines Geſandten auf deſſen Stirn zu leſen.

Napoleon ſaß in der Vertiefung eines nach dem Garten gehenden Fenſters. Die Bläſſe ſeines Ge⸗ ſichts, die Unordnung ſeines Anzugs deuteten auf eine durchwachte Nacht. Der Herzog von Vicenza hatte nicht den Muth, ſogleich den Zweck ſeiner Sendung zu berühren.

„Der Abfall von Eſſonne,“ ſprach der Kaiſer mit Anſtrengung,„hat neuen Forderungen zum Vorwand gedient, nicht? Man ſtellt andere Bedingungen jetzt, da ich verlaſſen, ofſen verrathen bin.— Nun, was verlangt man noch?“

Caulaincourt ſetzte die Veränderungen, die in des Kaiſers militairiſcher und politiſcher Lage eingetreten waren, ſo ſchonend als möglich auseinander. Er er⸗

. zählte ſeine Unterredung mit Alexander und Alles,

was im Rathe der Verbündeten verhandelt worden war. Nur das Erſcheinen Marmont's im Salon der Alliirten verſchwieg er, aus Schonung für ſeinen kai⸗ ſerlichen Herrn.

Als der Herzog von Vicenza geendet, und voller Trauer und Bangigkeit einer Antwort Napoleon's ent⸗ gegen ſah, verharrte dieſer eine lange Zeit in dumpfem Schweigen.

„Unterhandlungen!“ ſprach er endlich,„die ſo de⸗ müthigend werden, muß man abbrechen. Der Krieg mit allen ſeinen Wechſelfällen bietet nichts Schlim⸗