Teil eines Werkes 
10. Band, 1813 : historischer Roman : 1. Theil (1853) Achtzehnhundertdreizehn
Entstehung
Einzelbild herunterladen

35

Leon ſchauderte und betrat mit ſeinem Begleiter die dunkle Hausflur. Sie ſchritten über den Hof, gingen einen langen Gang entlang, der nur düſter von einer trüben Laterne erleuchtet war, und ſtanden endlich vor einer mit Eiſenblech beſchlagenen Thür. Sie glich dem Eingange zu einem Keller. Franzesco klopfte. Ein kleiner blecherner Schieber zur Rechten der Thüre öffnete ſich und ein altes Weibergeſicht kam zum Vorſchein.

Was ſoll's? rief die heiſere Stimme der Alten.

Iſt Bürger Timoleon zu ſprechen? frug Fran⸗ zescv.

Die Alte ſchob das Blech wieder vor, und bald hörte man ſie an dem alten Thürſchloſſe handthieren, deſſen Eröffnen ihr viel Mühe zu koſten ſchien. End⸗ lich that ſich die Thür auf. Die Schließerin hielt eine Lampe in der Hand und begrüßte die Eintretenden nicht ohne Artigkeit.

Guten Abend, Bürgerin! ſprach Franzesco, ſei⸗ nen Begleiter vorſtellend;da bring' ich einen neuen Bundesgenoſſen. Dieſe wackere Frau, wandte er ſich zu Leon,war eine der Erſten, welche ihre Schwe⸗ ſtern von Paris nach Verſailles führte, und den Bä⸗ cker, die Bäckerin und den kleinen Bäckerjungen nach den Tuilerien escortirte.

Das waren andere Zeiten, ſeufzte die Alte.

Werden wiederkommen, tröſtete Franzescv.Iſt Bürger Timoleon allein zu ſprechen?

Nur ein Paar Sections⸗Chefs ſind zugegen, ant⸗ wortete ſie und leuchtete voran. Wieder ging es ei⸗ nen langen Gang entlang, Treppen auf, Treppen ab, es war wie in einem Labyrinthe.

Iſt es nicht ſchändlich, ſprach unterwegs Fran⸗ zesco,daß die Republik, die noch vor zwei Decen⸗

8