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Es erfolgte eine Pauſe, die groß zu nennen war. An den Verſtand des Bürgermeiſters von Zuckelhau⸗ ſen war nie eine ſo eminente Zumuthung geſtellt wor⸗ den, das Räthſelhafte einer ſolch koſtbaren Viſiten⸗ karte zu entziffern. Als er ſich in Etwas gefaßt, hielt er die Karte dem Rathsfrohne vor, der in ſtei⸗ fer Devotion in einiger Entfernung neben ihm ſtand, und welchem die unverkennbare Gemüthsbewegung ſei⸗ nes Herrn ſeinerſeits ein Räthſel war.
„Safian,“ hub Corvinus in einem Tone an, in welchem der Frohn den geſtrengen Gebieter von Zuckel⸗ hauſen kaum wieder erkannte,„wie lieſeſt Du dieſe Schrift?“
Safian beugte ſich etwas vorwärts und buchſta⸗ birte:„D—er M—ohr— v—on— Ve— ne— dig—“ Dieſe Antwort war dem Bürgermeiſter nicht unlieb: er erkannte daraus, daß ſein Auge noch richtig con⸗ ſtruirt ſei, was er einige Zeit bezweifelt hatte.
Es entſpann ſich jetzt zwiſchen Sebaſtian und ſei⸗ nem Diener ein Geſpräch, das wir dem Leſer nicht vorenthalten wollen.
Vorher erkundigte ſich der erſtere nochmals, ob Safian auch richtig geleſen, und als dieſer bei ſeiner Ausſage beharrte und zum Beweis die vier Worte der Viſitenkarte nochmals ausführlich herbuchſtabirte, frug er:
„Was denkſt Du, Safian?“
„Nichts,“ entgegnete dieſer.
„Da geht Dir's wie mir; aber was vermutheſt Du?“
„Nichts!“
„Da befindeſt Du Dich in demſelben Zuſtande, in dem ich mich befinde. Haſt Du je von einem Mohren von Venedig gehört?“
Stolle, ſämmtl. Schriften. K. 7


