Teil eines Werkes 
8. Band, Deutsche Pickwickier : komischer Roman : 3. Theil (1853)
Entstehung
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würde ja die Mamſell gleich gewußt haben, von wem das Geld komme.“

„Hat er denn gar keine Unterſchrift beigefügt?“

„O ja, er hat ſich unterſchrieben: Der reiche Mann und Freund der Tugend.“

„Der reiche Mann?“

„Ja, auch im Brief giebt er ſich für einen reichen Mann aus, damit die Mamſell kein Bedenken trägt, das Geld anzunehmen. Denn wenn ſie wüßte, daß es vom Sportelſchreiber käme, und daß dieſer ſelbſt ſo arm wäre, würde ſie es nicht annehmen, ſagte mir Herr Kappler.“

„Ja, Du Edler,“ ſprach der Hofcommiſſair mit tiefer Rührung für ſich,„Du ſagſt keine Lüge, wenn Du Dich einen Freund der Tugend nennſt. Niemand hat gerechtern Anſpruch auf dieſen ſchönen Titel, als Du; doch es iſt Zeit, daß Dir geholfen werde, und Deinem Lebenshorizonte ein freundlicherer Stern aufgehe.“

Karl erzählte jetzt noch, wie ihn der Sportelſchrei⸗ ber inſtruirt,„den Geldbrief in die Langſchädel ſche Wohnung zu bringen. Anfangs habe er ſelbſt die Beſorgung übernehmen wollen; aber bald ſeien Be⸗ denklichkeiten in ihm aufgeſtiegen, wie leicht konnte er

verrathen werden, ſo er in Perſon erſchiene.

„Nach langem Hin⸗ und Herſinnen,“ fuhr Karl fort,„hielt er für's Beſte, wenn ich den Brief im Dunkeln ſo unbemerkt wie möglich durch das Fenſter in das Wohnzimmer würfe. Auch mußte ich theuer geloben, gegen Jedermann von dem Briefe ſowohl, wie von dem Gelde zu ſchweigen. Da Sie aber ein⸗ mal mich entdeckten, und mir verſprochen haben, den guten Herrn Sportelſchreiber nicht zu verrathen, ſo glaubte ich, es wäre beſſer, wenn ich gleich die ganze Wahrheit ſagte.“