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Endurtheil erſcheinen und wenn es noch eine Gerech⸗ tigkeit auf Erden gäbe, ich aus dieſem heilloſen Streite als Sieger hervorgehen müſſe; aber ich habe nach gerade das Vertrauen zu dieſen Betheuerungen ver⸗ loren. Wie unzählige Mal hat mir dieſer Menſch während dieſen unſeligen neun Jahren bei ſeiner ewigen Seligkeit geſchworen, daß ich gewinnen und der vertrackte Hofeommiſſair zu Schanden werden müſſe, ſobald ich nur den Muth nicht verlieren wolle. Nun, Gott iſt mein Zeuge, daß ich weder den Muth ver⸗ loren, noch Geld geſcheut habe, obſchon ich nicht ſel— ten vor Wuth des Teufels geworden bin. Indeß fühl' ich denn doch, daß, wenn die Sache nicht bald zu Ende kommt, ich dem Aerger erliegen werde. Bis Johannis will ich den Prozeß noch anſehen, dann ſind es gerade zehn Jahr, daß er begonnen hat, hab' ich da nicht geſiegt, mag es werden wie es will; ich wende blos noch ſo viel dran, als es koſtet, meinen Advveaten durchprügeln zu laſſen, denn es wird mir immer klarer, daß ich dieſem Schlingel allein die Lang⸗ wierigkeit dieſes koſtſpieligen Streites zu verdanken habe.“
Unter dieſen Gedanken war es dem Generale ge⸗ lungen, das Siegel zu erbrechen und den Brief zu eröffnen. Er mühte ſich ſelbigen zu leſen, aber ver⸗ möge ſeines ſchwachen Geſichts konnte er ſich in den Schriftzügen nicht ſogleich zurecht finden.
„Beifuß,“ ſprach er,„lies mir einmal den Wiſch, Du haſt beſſere Augen. Gewiß neue Vertröſtungen und anmuthige Liquidationen.“
Der Kammerdiener machte ſich ſofort an die Lec⸗ türe, während die Excellenz gemächlich auf dem Sopha Platz nahm und ſich eine neue Pfeife ſtopfte.
Der Advorat Doctor Bock, wenn er dem General


