Teil eines Werkes 
7. Band, Deutsche Pickwickier : komischer Roman : 2. Theil (1853)
Entstehung
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ſchen bürgerlichen Mädchen, dann wieder mit adeligen Damen, von welchen ihm jetzt keine einen Korb zu

geben wagte; ja man fand ſogar, daß dieſer Student wirklich kein ſo übler Mann ſei: ſein Benehmen ſei ſo gebildet und zart, ſeine Rede ſo wohlklingend und geiſtreich und ſein Tanz wirklich engelhaft; man be⸗ dauerte zuletzt faſt allgemein, daß er ſo niederer Her⸗ kunft war.

Mit unverkennbarer Freude bemerkte der Hofcom⸗ miſſair aus der Ferne die Triumphe ſeines Gaſtes.

Nachdem ſich Willer ziemlich müde getanzt, nahm er im Converſationszimmer wieder Platz an der Seite des alten Generals. Dieſer war ein außerordentlicher Freund von Anecdoten. Kaum hatte dies der Stu⸗ dent in Erfahrung gebracht, als er ſein Anecdoten⸗ Füllhorn aufthat und den alten Mann dermaßen mit luſtigen und witzigen Sächelchen überſchüttete, daß ihm vor Lachen wiederholt die Thränen in die Au⸗ gen traten.

Er mußte ſich gleich dem Hofcommiſſair geſtehen, daß er lange keinen ſo vergnügten Abend verbracht habe. Der wackre Alte ahnete in ſeiner fröhlichen Stimmung nicht, welch' ein harter Schlag ihn Mor⸗ gen durch Ueberſendung des Endurtheils der letzten Inſtanz bevorſtand.

Ein glücklicher Zufall wollte es, daß der General Kirchner während des ganzen Abends nicht erfuhr, Willer ſei ein Gaſt von Eccarius, er würde außerdem unfehlbar das Benehmen des Studenten nur für rohen, vom Hofcommiſſair eingegebenen Oppofitionsgeiſt ge⸗ halten haben und ſeine Sympathie für den jungen Mann würde dann gewiß nicht erwacht ſein.

Die Beiden ſaßen noch bis tief in die Nacht bei einander, ſelbſt nachdem der Tanz ſein Ende erreicht