rend Sonnenſchmidt in Neukirchen rechnete, wie viel ſein Neffe bei Ablaufe eines jeden Monats vom letz⸗ ten Wechſel übrig haben müſſe, war bereits in Carl's Ausgabebudget ein bedeutendes Deficit eingetreten. Nicht ein einziges Mal iſt der Fall vorgekommen, daß die beiderſeitigen Rechnungsabſchlüſſe geſtimmt hätten. Die Summe, welche dem YNeffen ausgeſetzt war, reichte allerdings hin, als Student anſtändig zu leben, auch war Carl keineswegs leichtſinniger Verſchwender; aber er hatte eine Menge Ausgaben, die man ſonſt bei Studenten nicht anzutreffen pflegt. So unterſtützte er, ohne ſich als Wohlthäter zu erkennen zu geben, mehre ſogenannte verſchämte Arme. Für den Jungen ſeines Aufwärters, einer armen ehrlichen Haut, be⸗ zahlte er das Schulgeld. Zur Weihnachtszeit gewährte es ihm ein Götterfeſt, aller Welt, namentlich Kindern, beſcheeren zu können, und kein Nothleidender ging ohne Hülfe von ihm. Bei den Geburtstagen des Neukirchner Onkels griff er ſich namentlich an. Da erfolgte in der Regel ein ſchöner Meerſchaumkopf mit ſilbernem Beſchläge oder eine ſauber gemalte und reich⸗ vergoldete Mundtaſſe oder ein geſchmackvolles Weſten⸗ zeug. Die Gabe war jedesmal von einem allerliebſten Gedichte begleitet; denn Carl war nicht ohne Talent in der edeln Pveſie.
Aber als ob Onkel und Reffe in keiner Sache ſich hätten vereinigen können, gaben ſelbſt dieſe Geburts⸗ tagsgeſchenke und hübſchen Gedichte dem Inſpector Veranlaſſung, dem Abſender den Tert zu leſen. Er⸗ ſtens hieß es in dem deshalb abgeſendeten Briefe, ſolle ſich der Herr Neffe nicht unnützer Weiſe in Un⸗ koſten ſtecken und alsdann die edle Zeit nicht mit überflüſſigen Reimereien vergeuden. Ueberhaupt war
Sonnenſchmidt als practiſcher Heconom ein abgeſagter


