Teil eines Werkes 
6. Band, Deutsche Pickwickier : komischer Roman : 1. Theil (1853)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

159

„ich glaubte nicht anders, als die Kugel habe mir den Kopf weggeriſſen. Die Beſtie muß mir übrigens ganz nahe am Ohre vorbeigepfiffen ſein.“

Nachdem Steinau keine weitere Genugthuung ver⸗ langte, entfernte er ſich mit ſeinem Secundanten und dem Arzte eben ſo ſchweigſam, wie er gekommen. Langſchädel war jetzt mit dem Hofcommiſſair allein.

„Das heißt ſich geſchoſſen,“ ſprach er, nachdem er wieder auf ſeinen beiden Füßen ſtand,„was meinen Sie, Hofcommiſſair?“

„Geben Sie mir Ihre Hand, Herr Brückenzoll⸗ geldereinnehmer,“ verſetzte dieſer.

Langſchädel, ob dieſer ungewöhnlichen Titulatur verwundert, reichte ſeine Hand hin.

„Sie verſprechen mir hiermit,“ begann jetzt Ee⸗ carius in beſtimmtem, faſt befehlendem Tone,„daß Sie hinſichtlich dieſer ſchauderöſen Duellgeſchichte ge⸗ gen Jedermann ſchweigen, wenn Ihnen ihr Renommée auch nur drei Pfennige werth iſt.“

Langſchädel gerieth immer mehr in Erſtaunen, während der Hofeommiſſair fortfuhr:

„Sie haben ſich wie ein haſenherziger Poltron geſchlagen. So wiſſen Sie denn, daß Steinau's Piſtol nicht mit einem Schrotkorn, geſchweige mit einer Kugel geladen war. Ich habe doch manchem Duelle beigewohnt, aber ſo wahrhaft miſerabel iſt mir kein Duellant vorgekommen. Hinzufallen wie ein Kartoffelſack aus bloßer Furcht! Pfui, ſchämen Sie ſich, Brückenzollgeldereinnehmer.“

Langſchädel, nachdem die Gefahr vorüber, hatte nicht übel Luſt, ſich auf's große Pferd zu ſetzen, aber der ſchlaue Hofcommiſſair wußte ihn zu faſſen, daß er auf alle Inſinuationen kein Wort zu erwiedern wagte. Wollte er wohl oder übel, mußte er in einen