Teil eines Werkes 
5. Band, Moosrosen : Novellen und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
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ſammen. Wenige Stunden vor ihrem Tode mußte ich zu ihr kommen. Sie übergab mir ein verſiegel⸗ tes Schreiben mit der Aufſchrift an Euch. Ich mußte ihr geloben, dafür zu ſorgen, daß, wenn Ihr dereinſt wiederkehren ſolltet nach Buchenthal, dieſer Brief in Eure Hände gelange. Ich habe mein Wort gehalten. Hier iſt er.

Sprachlos und zitternd empfing Andreas das heilige Vermächtniß; zitternd löſ'te er das Siegel; aber die alterſchwachen Augen vermochten die theuern Züge nicht mehr zu erkennen. Er reichte das Schrei⸗ ben Hieronymus, und dieſer las mit ſeiner ſanften und ſchönen Stimme folgende Worte:

Andreas!

Sollte Dich's freuen, wiſſe jetzt, auch ich habe Dich geliebt, wie nur des Weibes Herz auf Erden zu lieben vermag. Als Du eintrateſt in Buchenthal grüßte mich zum erſten Male jener Himmelsſtrahl, den die Menſchen Liebe nennen. Als Du begeiſtert ſprachſt für Freiheit und Menſchenwohl an jenem Abende, gehörte Dir mein Herz für ewig; als Du zu meinen Füßen ſankſt, war es der ſeligſte Augen⸗ blick meines Lebens, und als ich Dir den Mandelzweig ſchenkte, brach mein Herz für immer. Auch ich kämpfte den Rieſenkampf der Liebe mit der Pflicht. Adalbert, Sterblicher, wie ſelten auf Erden gewan⸗ delt, wußte, daß wir uns liebten; aber er zürnte mir nicht, wie er Dir nicht zürnte. Haſt Du Wort gehalten und vernimmſt Du meine Worte, ja, dann war auch bei Dir der Traum der Liebe mehr als Traum. Unter den blühenden Mandeln im Garten von Buchenthal, wo Du ja ſelbſt einſt ſagteſt, daß ſich's da wohl ruhen müſſe, wirſt Du

nich finden. Komm' bald zu uns, Andreas, Hart⸗

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