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glücklichen Kadi geplündert und zerſtört, ergießt er ſich, von Minute zu Minute größer werdend, durch alle Straßen und der Aufruhr wächſt alsbald in's Uner⸗ meßliche. Wuthgebrüll des entfeſſelten Pöbels, Flüche und Verwünſchungen gegen Bonaparte und die Fran⸗ zoſen hallen durch die ganze Hauptſtadt. Alle Häu⸗ ſer und Kaufläden ſind geſchloſſen. Die unglücklichen chriſtlichen Bewohner ſind gezwungen, ſich in ihren Gebäuden förmlich zu verſchanzen.
Wehe dem Franzoſen, den ſein unglückliches Ge⸗ ſchick den empörten Haufen auf offener Straße begeg⸗ nen läßt. Er iſt binnen wenig Augenblicken in Stücken zerriſſen.
Bereits beginnen die Empörer die Häuſer fran⸗ zöſiſcher Generäle und Inſtitute anzugreifen. So wendet ſich ein Arm des tobenden Menſchenmeeres ge⸗ gen die Wohnung des Generals Cafarelli, der eben mit mehreren Officieren ausgeritten iſt, um die öffent⸗ lichen Arbeiten zu beſichtigen. Heldenkühn vertheidi⸗ gen zwei zurückgebliebene Ingenieurofficiere mit gerin⸗ ger Mannſchaft den Palaſt. Schwer verwundet müſſen ſie weichen. Die Thüren werden geſprengt. Wuth⸗ ſchäumend dringt der Blut und Beute lechzende Haufe ein. Erbarmungslos wüthet ſein mordendes Meſſer unter den waffenloſen Schwerverwundeten.
Viele andere Wohnungen der Franzoſen werden auf dieſe Art geſtürmt und zerſtört. Noch immer hat der Platzevmmandant General Dupuis den Auflauf für eine leicht vorübergehende Emeute gehalten. Bald gewahrt er mit Schrecken, daß es ſich um die revo⸗ lutionaire Bewegung der ganzen Hauptſtadt handelt. Er ſteigt zu Pferde und dringt, von ſeinen Adjutan⸗ ten, einem Dolmetſcher und funfzehn Dragonern be⸗ gleitet, obgleich die Straßen vom Volke geſperrt find
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