Teil eines Werkes 
3. Band, Napoleon in Aegypten : 2. Theil (1855)
Entstehung
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ſich,daß nach Ueberſtehung der auserleſenſten Ge⸗ fahren mir die entſetzlichſte von allen Todesarten zu Theil würde. Schon in meiner Jugend hat mir das Lebendigbegraben für das non plus ultra alles Schrecklichen gegolten.

Je länger Laroſſoſſinier dem Geſchäfte der beiden Schanzgräber lauſchte, deſto größer ward ſein Ver⸗ dacht. Er verſuchte daher um Hülfe zu rufen, aber die wollene Wand vor ſeinem Munde ließ keinen Laut hindurch. Plötzlich fühlte er ſeine Füße mit einem Riemen umſchnallt und ſeine Hände auf den Rücken gebunden.

Das ſcheint Alles Privatvergnügen der Schwar⸗ zen zu ſein, meinte der Profeſſor;ich glaube nicht, daß dies Verfahren in der Abſicht Abdullah's gele⸗ gen, der mir freundlich gefinnt war. Nur begreife ich nicht, warum ſich dieſes entmenſchte Paar ſo viel Mühe gibt. Es müßte reine Mordluſt ſein, die man im Morgenlande leider beim gemeinen Volke ſehr häufig findet.

Ehe noch Laroſſoſſinier weiter zu philoſophiren vermochte, ergriff man ihn und ſteckte ihn, trotz ſei⸗ ner angeſtrengteſten Widerſpenſtigkeit, in eine fünf Fuß tiefe Höhle, welche man zuvor in den Sand ge⸗ graben hatte. Er kam ſenkrecht auf ſeine Füße zu ſtehen. Das Grab ging ihm nur bis an den Hals.

Ich glaube, ſprach er, dieſe Unholde wollen mich à la Till Eulenſpiegel begraben, der im Grabe ſteht, anſtatt zu liegen.

Da der Profeſſor an Händen und Füßen gefeſſelt war, und im Nothfall nicht einmal beißen konnte, ſo galt er als ein vollkommen willenloſes Individuum und war mehr ein bloßer Körper, eine Sache, als eine Perſon.