Teil eines Werkes 
3. Band, Napoleon in Aegypten : 2. Theil (1855)
Entstehung
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Erſt wollten ſie mich ſchinden, nun umtanzen ſie mich wieder und drücken mir die Seele aus dem Leibe.

Die Pantomime hatte ihren Höhepunkt erreicht. Wild ſchrie die Cymbel, lärmte das Tambourin, klap⸗ perten die Caſtagnetten; ſelbſt Sultana hatte ſich auf ihrem Lager emporgerichtet und ſchien mit Spannung der Entwickelung entgegen zu ſchauen, als eine Ent⸗ wickelung eintrat, die Niemand erwartet hatte und die ſehr tragiſch genannt werden mußte.

Plötzlich erſchien, langſam und geiſterhaft, eine hohe, in einen braunen Beduinenmantel gehüllte Ge⸗ ſtalt im Saale, die eine Zeitlang unbemerkt, da Aller Augen auf den Tanz der Alme's gerichtet waren, am Eingange ſtehen blieb. Den weiten Mantel bis über's Geſicht geſchlagen, ſchauten nur, zwei dunkle Augen wetterleuchtend auf die nächtliche Orgie, ſo wie auf die ruhende Sultana. Hinter der Geſtalt ſtanden zwei ſchwarze Fratzen, die bald ſich, bald das Schauſpiel, das vor ihnen aufgeführt ward, unheimlich angrinzten.

Joll kreiſchten die Inſtrumente, baechantiſch raſten die Alme's. Ueppige Stellungen, kunſtreiche Windungen. Das wunderſchöne, von dunkeln Locken reich umwallte Haupt der Sultanin ruhte auf dem Alabaſterarme, und ihre ſonnenhaften Augen weilten wohlgefällig auf den biegſamen Formen der Alme's, als die Geſtalt im braunen Beduinenmantel die Hand rückwärts ſtreckte. Der dahinter ſtehende Mohr bot ein geſpanntes Piſtol dar.

Plötzlich krachte ein Schuß durch den Freuden⸗

himmel. Die Sultana wand ſich im Todeskampfe. Blut überſtrömte das Roſenlager. Das tödtende Blei war der wunderſchönen Frau mitten durch's Herz gegangen.