Teil eines Werkes 
3. Band, Napoleon in Aegypten : 2. Theil (1855)
Entstehung
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Stumm, die von Hitze gerötheten Augen zur Erde gewandt, zogen ſie neben einander dahin; ohne Hoff⸗ nung, das Ende der Wüſte zu erreichen, da ihnen jede Richtung verloren gegangen war. Bleich, welk, wie das abgelebte Antlitz eines Greiſes, vom Wüſtenſtaube umſchleiert, neigte ſich die Sonne dem Untergange zu. Das war kein Sonnenuntergang, wie er in andern glücklicheren Landen in den Herzen der Menſchen er⸗ hebende Gefühle erweckt. Während ſich dort der Son⸗ nengott, groß und herrlich, im flammenden Gewande, in grüne Wälder oder in blaue, wogende Fluthen bet⸗ tet, den purpurnen Abendmantel weithin ausbreitend, in deſſen erbleichender Schöne der Abendſtern hervor⸗ glänzt, ſinkt die Wüſtenſonne wie eine abgefallene, verwelkte und vergiftete Frucht hinab; ſtrahlenlos, ohne Glanz und holdſeliges Abendroth, gelb, nebelkrank in heißen Wüſtenſand.

Kaum war die gelbe Scheibe am Horizonte ver⸗ ſchwunden, als auch der eine der Wanderer todesmatt zu Boden ſank.

Laß mich hier ſterben, ſprach er leiſe, und nach einer Pauſe fügte er hinzu:wäre doch der Damas⸗ cener des Arabers ein paar Zoll tiefer gedrungen, ſo hatten alle Leiden ein Ende.

Wie ſprichſt du wieder, ſtrafte der Andere mit mildem Tone, indem er neben den Begleiter nieder⸗ kniete,Gott, der uns ſo wunderbar vom Tode und aus den Händen der Barbaren rettete, kann auch Mittel und Wege finden, uns aus der Wüſte zu erlöſen.

Du verlangſt Unmögliches! ſprach der Erſters und barg ſein heißes Antlitz in eine Höhle, die er mit der Hand in den Sand gegraben hatte, um etwas Kühlung zu ſchöpfen.

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