Teil eines Werkes 
2. Band, Napoleon in Aegypten : historisch romantisches Gemälde : 1. Theil (1853)
Entstehung
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Erſtes Rapitel.

In einer Laube des Schloſſes Saint Maurice, wel ches, hart an der Grenze der ſüdlichen Dauphiné ge legen, die grauen Zinnen mit ächt feudaliſtiſchem Trotze in die blaue Mailuft emporſtreckte, ſaß die liebliche Clemence, und ließ ſich's lächelnd gefallen, wie ihre Zofe Ninon die ſeidenen Locken der Gebieterin mit halbaufgebrochenen Roſen ſchmückte.

Ninon legte bei dieſem frühlinghaften Toilettenge⸗ ſchäfte eine hinreißende Einſicht und Geſchicklichkeit an den Tag, welche einer Marchande de Modes aus der Rue Vivienne nicht zur Unehre gereicht haben würde. Als ſie zu Ende, klatſchten ihre kleinen Hände lebhaftan einander.

Wie ein Engel, wie eine Roſenfee! rief ſie ein⸗ mal über das andere, ſich das Fräulein entzückt betrach⸗ tend, und konnte ihreigen Werknicht genugſam bewundern.

Clemence war Mädchen genug, um dieſer Exalta⸗ tion wegen bös werden zu ſollen. Sie ließ ſich ſogar Ninon's Vorſchlag gefallen, nach dem nächſten ſilber⸗ klaren Baſſin zu gehen, um ſich in Ermangelung eines Spiegels zu überzeugen, daß die Zofe keine Uebertreibung ſich habe zu Schulden kommen laſſen.

Ungleich proſaiſcher als Ninon, welche das ſchöne Lockenhaupt des Fräuleins von Montreuil mit Roſen

Stolle's ſämmtl. Schriften. 11. 1