Teil eines Werkes 
1. Band, Camelien : Novellen und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

10

207

brach. Eine ſolche Bosheit war noch gar nicht da gewe⸗ ſen. Ich fing an zu donnern; das machte das Uebel nur noch ſchlimmer. Die Mädchen liefen um mich herum mit thränenden Augen, keine konnte vor Lachen ein Wort ſprechen. Endlich wußte ich nicht, war ich verrückt geworden, oder waren es die Coufinen. Der Angſtſchweiß trat mir vor die Stirn, Verzweiflung überkam mich.

Nach einer höllenvollen Viertelſtunde erklärte ſich Alles. Der vermeintliche Entführer war Niemand an⸗ ders als ein guter Freund des Onkels. Er traf zu⸗ fällig mit den Mädchen zuſammen, als dieſe ſpeben von dem geſammten Generalſtabe belagert wurden, und befreite ſie, indem er ihnen einen Abſtecher nach ſeinem ein Viertelſtündchen entfernten Landgute vor⸗ ſchlug. Für ein beſſeres Mittagbrod als im Gaſthofe verſprach er zu ſorgen, und ſo ward ſein Vorſchlag gern angenommen. Da ich im Wagen ohnehin hätte keinen Platz finden können, hinterließ man dem Haus⸗ knecht, mir zu ſagen, mich ein kleines halbes Stünd⸗ chen zu gedulden, wo ich vom Freund Findeiſen nach— geholt werden würde. Der Hausknecht, welcher mich in Hemdesärmeln und in ſicherem Gewahrſam wußte, glaubte ſich mit der Nachricht nicht übereilen zu müſ⸗ ſen. Erſt als ich wie toll im Poſtillonsrocke dem Wagen nachſtürze, läuft er nach und ſchreit aus Lei⸗ beskräften, denn ihm war's hauptſächlich um den gelben Kaftan zu thun, den ich im Sturme dahin führte.

Ich konnte vor Wuth über mein Mißgeſchick gar nicht zu mir ſelber kommen. Der Satansrock brannte wie hölliſches Feuer auf dem Leibe. Dazu das nicht todt zu machende Gelächter der verwahrloſten Coufinen. Ich knirſchte mit den Zähnen und durfte mir's nicht 4 merken laſſen.