Teil eines Werkes 
1. Band, Camelien : Novellen und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
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nächſten Chauſſeehauſe einzuholen. Doch der Räuber war ſchlau genug; er lenkte plötzlich von der Haupt⸗ ſtraße ab und bog einen obſeuren Seitenweg ein, der mitten durch Getreidefelder führte. Ich erinnerte mich, geleſen zu haben, daß die Jungfrauenräuber in der Regel dieſes Manöver befolgen, um die Verfolger von der Spur abzuleiten. Der Verräther ahnete nicht, daß ihm der Rächer ſchon auf den Ferſen.

Da der Seitenweg, den die Flüchtigen eingeſchla⸗ gen hatten, etwas ſandiger Natur war, konnte der Rappe nicht ſo rüſtig fort und marſchirte nur Schritt vor Schritt. Dies war mir ſehr angenehm; auch ich mäßigte mich im Nachſetzen, da mir der Frevler jetzt nicht mehr entgehen konnte. Ich war von der Stra⸗ paze wie gebadet. Der Poſtillonsrock wog wenigſtens einen halben Centner. Dazu war er unausſtehlich lang. Der Eigenthümer mußte einem Rieſengeſchlechte der Vorwelt angehören, oder naher Verwandter des Goliath ſein; der gelbe Kittel floß wie ein Talar wel⸗ lenſchlagend bis zu den Knöcheln. Im leichten Frack hätt' ich den Straßenräuber längſt gehabt.

„Wo nur der Verbrecher mit den Meinigen hin will?“ Dieſe Frage ging mir im Kopfe herum, als plötzlich der Wagen vor einem freundlichen Landhauſe anhielt. Der Räuber ſprang vom Bocke und half den Coufinen ausſteigen. Ich athmete leichter; ja, es gibt eine Nemeſis, ſie führte mir die Sünder ohne große Mühe in die Hände. Unſtreitig hielten ſie ſich hier für ſicher und ahneten nicht, daß der wachſame Couſin in ſo bedeutſamer Nähe ſich befände. Die un⸗ gerathenen Kinder ſprangen luſtig und guter Dinge unter dem ſchattenden Laubwerke umher, während ich, der Sonnenhitze preisgegeben, ingrimmig dahin watete.