Teil eines Werkes 
1. Band, Camelien : Novellen und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
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„Entführt?!“ ſchrie ich entſetzt,„und alle Drei?“

„Es iſt nicht Eine mehr vorhanden, der Kobold war unerſättlich.“

„Und die Satansbrut ließ ſich auch gutwillig ent⸗ führen?“

„Leider,“ entgegnete der Lieutenant,„die Macht des Böſen iſt groß heutzutage; an Abmahnungen un⸗ ſererſeits hat es nicht gefehlt. Doch eilen Sie, viel⸗ leicht, daß Sie die Flüchtigen noch einholen.“ Er beſchrieb die Richtung; ich nahm die weiten Rockſchöße zuſammen und galoppirte als Stafette zu Fuß dem Couſinenräuber nach. Der Kriegsheld lachte barbariſch hinterdrein. Mir war' nicht zum Lachen. Bald auch vernahm ich die Stimme des Hausknechts. Alles ver⸗ gebens. Ich ſah mich nicht um. Die Verzweiflung trieb mich wie eine Windsbraut dahin.

„So bedarf's alſo heutzutage,“ ſprach ich, auf der ſtaubigen Chauſſee dahin trottirend,„nur, daß man den Rücken wendet, und ein complettes Vierteldutzend wohl⸗ geſtalteter Mädchen iſt zum Kuckuk. O tempora, o mores. Muß mir Unglücksſohn noch das Malheur vaſſiren, v Krebs, ſchwarzes Ungeheuer, o Traum! Ich verwahrloſtes Menſchenkind und ruinirter Couſinen⸗ hüter! Ich trabte unaufhaltſam weiter.

„Daß ich aber von ſolch' gewiſſenloſem Volke,“ fuhr ich in meinem Selbſtgeſpräche fort,„das ſich mit⸗ ten aus einem bewaffneten Generalſtabe heraus, am hellen lichten Tage, aus einem der frequenteſten Gaſt⸗ höfe des Landes, wo noch dazu der leibhaftige Couſin anweſend, entführen läßt, keine heirathen möchte, ſteht feſt. Lieber ein Hottentottenkind, bornirt und ſchwarz, als ſolch eine intrigante Perſon wie meine Coufinen.“

Bald bemerkte ich den Wagen nebſt Rappen eine ziemliche Strecke vor mir. Ich hoffte beide bei'm