Teil eines Werkes 
1. Band, Camelien : Novellen und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
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einer einzigen Nacht grün geworden. Wunderbar er⸗ quickender Anblick! In dieſem erſten Goldgrün liegt etwas Heiliges. Die zarten Morgentraum-umflorten Blättchen ſchauern vor Scham und Unſchuld in den ungewohnten goldenen Lichtwellen. Auch im Gärtchen unter meinem Fenſter ſchlagen die Stachelbeeren aus. Es iſt kein Wunder, wenn Alles wach wird; die Ler⸗ chen jubeln vom Morgen bis Abend, wer ſoll da noch ſchlafen? Den 8. April.

Heute hospitirt' ich wieder bei meiner lieben Schul⸗ jugend, und habe mich wahrhaft gefreut; der wackere Schulmeiſter, ein Schüler des trefflichen Dinter, ver⸗ ſteht ſein Fach aus dem Fundamente. Wie faßlich und der Kinderwelt angemeſſen iſt ſein Vortrag, und mit welcher Luſt und Liebe iſt er bei der Sache. Die Kleinen ſehen in der Schule keine finſtere Zwangsan⸗ ſtalt, ſie gehen gern in die Stunden und ſfind ihrem Lehrer außerordentlich zugethan. Ich ſah überall nur frohe, muntere Geſichter. Was mich beſonders anſprach, iſt die große Reinlichkeit, die ich überall wahrnahm. Neubert geſtand mir, daß es ihm im Anfang große Mühe gekoſtet, die Kinder reinlich und an Ordnung zu gewöhnen. Jetzt iſt es ihm vollkommen gelungen. Ich habe dem Lehrer eine Partie nützlicher und an⸗ muthiger Jugendſchriften überſchickt zur Vertheilung an die fleißigſten und ſittſamſten ſeiner Schüler; und der Dorfgemeinde zehn Exemplare von Zſchokke'sGold⸗ macherdorf. Da ſitzt nun am Feierabend Jung und Alt über die goldenen Lehren des wackern Schweizers.

Den 11. April.

Wenn mich nicht Alles trog, ſo zwitſcherte vorhin die erſte Schwalbe unter den offenen Fenſtern vorüber.