Teil eines Werkes 
3. Band (1855)
Entstehung
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Veilchen; denn der Berg war bekannt, daß auf ihm die erſten dieſer Blümchen wachſen, weil ſie in dem kurzen Graſe unter dem ſchützenden Geflechte des Wachholders einen ſichern Stand haben, und die mittäg⸗ liche Sonne auf dem Abhange des Berges leicht auf ſie ſcheinen kann. Dann ſuchten ſie auch Steinchen und andere Dinge, und kamen bis zu dem rothen Kreuze empor. Von dem Kreuze gingen ſie zu den Brunnen⸗ häuschen hinab. Sie ſchöpften ſich Waſſer und benetzten ſich die Lippen, die Stirne und die Augenlider. Als der Abend erſchienen war, gingen manche, bei denen ſich ihre Eltern befanden, nach Hauſe; andere aber, die allein waren, blieben noch; denn die Kinder haben keine Rechnung der Zeit und geben ſich dem Augenblicke unbedingt hin. Einige Mädchen, worunter auch Hanna war, gingen gar gegen die Felſen der Milchbäuerin zu, und ſetzten ſich dort auf die Steine. Es hatte den ganzen Tag die Sonne auf die Felſen geſchienen, daß ſich die Wärme in ihnen anſam⸗ meln und länger nachhalten konnte, als an irgend einer andern Stelle des Beiges. Die Pflänzchen ſchauten aus den bebauten Pflanzbeeten am Fuße der Felſen ſchon heraus, über der Gegend war ein leichter grü⸗ ner Hauch, und die Kinder erkannten recht gut dieſe Verheißung. Sie blieben ſitzen, manches der Mädchen nahm die Hand ſeiner Nachbarin, legte ſie an den Stein und ſagte:Siehe nur, wie warm er iſt.

Als die Sonne ſchon hinter dem Rande des Waldes hinab gegangen war, fragte eines der Mädchen ein anderes:Um was haſt Du denn heute die heilige Jungfrau gebeten, Eliſabeth?

Ich habe ſie um ein langes Leben und um eine gute Aufführung gebeten, antwortete die Gefragte.

Und um was haſt denn Du gebeten, Veronika?

Ich habe auch um einen guten Lebenswandel gebeten, ſagte dieſe.

Und Du, Agnes?

Ich habe um gar nichts gebeten.

Und Du, Cäcilia?

Ich auch nicht, mir iſt nichts eingefallen.

Und Du, Hanna?

Ich werde etwas ſehr Schönes und ſehr Ausgezeichnetes bekom⸗ men, ſagte dieſe,denn als ich zu der heiligen Jungfrau recht inbrünſtig betete, und das feſte ſeidene Kleid ſah, das ſie anhat, und die goldenen Flimmer, die in feinen Fäden am Saume des Kleides hängen, und die