ſpielte ſie etwas Heiteres und Kräftiges auf dieſen Saiten. Alfred behan⸗ delte ſie ſehr zart, und man ſah, er hegte und pflegte ſie in ſeinem Herzen.
Wir blieben außer Maria, die zurück mußte, zwei Tage auf dem Gehöfte, und wurden mit Freude und Bewirthung überhäuft.
Auch Alfred und Camilla kamen ſpäter zu uns auf das Haidehaus, und blieben zwei Tage.
Als die Zeit, die ich mir bei Rikar beſtimmt hatte, vorüber war, als wir Alles geredet hatten, was zu reden war, nahm ich Abſchied. Der Abſchied war ſehr herzlich, und man trug mir auf, recht bald wieder zu kommen.
„Leben Sie wohl, lieber theurer Mann,“ ſagte Maria,„und kom⸗ men Sie ſehr bald wieder.“
Ich hatte mir dieſes Mal den Weg über Sanct Guſtav gewählt, und von da nach Riva, und in der kürzeſten Linie nach Treuluſt zurück.
Zu Maria hatte ich nicht das Leiſeſte— nicht das Leiſeſte geſagt. Wie ſollte ich auch? Dieſes Mädchen ſteht ſo feſt auf dem irdiſchen Bo⸗ den, und ſein Herz ragt doch ſo ſchön und zart in den höchſten Himmel hinein. Ich trage ihr Bild heiß— heiß in meinem Herzen. Aber was kann ſie mir ſein? Sie iſt gut, freundlich und lieb gegen mich, aber ſie hat, wenn auch ohne Wunſch und Begehr, ein anderes Bild in ſich.
Ich werde nie mehr zu Rikar gehen.
Der Zufall, der immer eine ſolche Rolle in meinem Leben geſpielt hat, hatte mich in dieſes Haus geführt, um mir zu zeigen, welch' ein Glück es für mich gäbe, und um es mir auf immer zu nehmen.
Ich hatte gar nie gewußt, daß ein ſolches Mädchen auf der Erde möglich iſt. Wie wäre es ſchön, wenn ſie um mich waltete, wenn ſie wirthſchaftete, ſchaffte, mich mit dem klaren, einfachen, heiteren Verſtande umgäbe, immer und zu jeder Friſt freundlich, offen und gut wäre, und in dem edlen ſtarken Herzen mich mit der tieſſten heißeſten Gattenliebe trüge. Wie wollte ich in dem jetzt einſamen Treuluſt walten, oder wie gerne wollte ich auch in dem ſtillen Alpenthale bei ihr ſein, und dort mit ihr wirken und ſchaffen.— Ich ſollte nur erkennen, was einzig ſchön und göttlich iſt, um es dann auf ewig ferne zu haben.


