Reiſeziele.
In Riva kannten jetzt ſehr viele die Pflanzenanlage meines Freun⸗ des, wenn ich von dem Berge Sanct Guſtav ſprach.
Ich hielt mich aber nicht mehr lange in Riva auf. Nur die Zeit verbrachte ich dort, die ich brauchte, um meine Sachen, welche ich in Ri⸗ kar's Hauſe zum Geſchenke erhalten hatte, ſehr gut zu packen, und auf den Weg nach Treuluſt zu geben. Dann dachte ich auf die Weiterreiſe. Ich packte meine Reiſeſtücke aus den Laden des Wirthes in den Koffer, und beſtellte auf den nächſten Morgen einen Platz auf einem Schiffe, welches ſüdwärts ging.
Als dieſer Morgen angebrochen war, und ich mit einem Manne, der mein Gepäcke trug, gegen den See ging, kamen wir an einer Planke vor⸗ bei, über welche Weinlaub herüber ragte. Plötzlich hörte ich eine Stimme, die mir bekannt ſchien, rufen:„Signore, Signote!“
Ich wandte mich gegen die Stelle, woher die Stimme kam, und ſah Gerardo's Lockenhaupt über die Bretter herüber ſchauen, zugleich ſah ich ein nettes Häuschen in dem Garten ſtehen, das ganz mit Weinlaub um⸗ faßt war, und große Fenſter hatte. Bei einem dieſer Fenſter ſah ein ſchönes Mädchen mit offenen feurigen Augen heraus.
„Ich bin da,“ rief Gerardo,„und das iſt unſer Garten und unſer Haus, und das iſt meine Schweſter.“
„So? das iſt ja recht ſchön,“ antwortete ich.
„Signore, Eure Flaſchen ſind noch da,“ ſagte er wieder.
„Sind die Flaſchen noch voll?“ fragte ich.
„Ei freilich,“ antwortete er,„ich habe ſie im Keller aufbewahrt.“
„So trinke ſie in meinem Namen aus,“ ſagte ich,„und die leeren Flaſchen wirf in den See. Deiner Schweſter aber gieb dieſes kleine Goldſtück, daß ſie es ſich aufhebe und ſich meiner erinnere, wie ich mich Deiner erinnern werde, weil Du ein ſo guter fröhlicher Burſche biſt.“
„Ich danke, Signore,“ rief er,„ich danke. Seid Ihr noch immer in Riva? ich habe Euch geſucht und nicht gefunden. Machen wir bald wieder eine Fahrt?“ 4


