der quer zwiſchen höheren läuft und ſie verbindet. Da er immer auch zwei Thäler ſcheidet, ſo geſchieht es nicht ſelten, daß, wenn man von dem einen langſam hinan ſteigt, man plötzlich ohne Erwartung den überra⸗ ſchendſten Ueberblick in das andere hat. So war es auch hier. Der Wald hatte ſich auseinander geriſſen, der See lag dem Jünglinge zu Füßen, und alle Berge, die er von dem flachen Lande und Attmaning aus ſchon geſehen hatte, ſtanden nun um das Waſſer herum, ſo ſtille, klar und nahe, daß er darnach langen zu können vermeinte— aber dennoch waren ihre Wände nicht grau, ſondern ihre Schluchten und Spalten waren von einem luftigen Blau umhüllt, und die Bäume ſtanden wie kleine Hölzlein dar⸗ auf, oder waren an andern gar nicht ſichtbar, die ſchier mit einem ganz geglätteten Rande an dem Himmel hin ſtrichen.
Nicht ein Häuschen, nicht einen Menſchen, nicht ein einziges Thier ſah Vigtor. Der See, den er von Attmaning aus als weiße Linie geſehen hatte, war hier weit und dunkel, nicht einen einzigen Lichtfunken, ſondern nur das Dämmern der Schleiermauern, die ihn umſtanden, gebend; und an den fernen Ufern lagen lichte Dinge, die er nicht kannte, und die ſich blos in den ruhigen Waſſern ſpiegelten.
Eine Weile ſtand Victor und betrachtete das Ding. Er empfand den Harzduft, und hörte aber nicht das Wehen des Nadelwaldes. Von Regung war gar nichts zu verſpüren, man müßte nur das Weiterrücken des ſpäten Lichtes rechnen, das an dem Schwunge der Wände hinüber ging und ſich die farbenkühlen Schatten folgen ließ.
Faſt Furcht vor dieſer Größe, die ihn hier umgab, im Herzen tra⸗ gend, machte ſich Victor daran, ſeinen Weg weiter zu verfolgen. Er ging den Pfad, den ihm der Knabe gezeigt hatte, hinunter. Die Berge ſanken allgemach in den Wald, die Bäume nahmen ihn wieder auf, und wie es ſchon auf dem Halſe geweſen war, daß der flache See gleichſam die Berge, die er ſäumte, hinaus zu rücken ſchien, damit das Auge das zarte Duft⸗ bild ſchauen könne, das ſich von dem Grün der Tannennadeln hinaus warf, ſo blickte auch hier immer das dämmerige Gewebe von Berg und Waſſer links durch die Baumäſte herauf. So wie er beim Hinaufgehen gemeint hatte, der Berg nehme kein Ende, ſo ging er nun auch wieder unaufhörlich und ſachte hinunter. Stets hatte er den See zur Linken, als ſollte er die Hand eintauchen können, und ſtets konnte er ihn nicht er⸗ reichen. Endlich wich der letzte Baum hinter ihm zurück, und er ſtand


