am nächſten an dem Körper iſt, und ihn ſchützt und geſund erhält— ſo viel, daß Du täglich wechſeln kannſt, wie Du es bei mir gelernt haſt. Wir haben alles ausgebeſſert, daß kein Faden davon ſchadhaft iſt. Für die Zukunft wirſt Du immer noch erhalten, was Du brauchſt. Hanna bleicht draußen Stücke, wovon die Hälfte ſchon für Dich gerechnet iſt— und Stricken, Nähen, Ausbeſſern werden wir beſorgen. Im andern Ge⸗ wande biſt Du anſtändig; Du kannſt Dich dreimal anders anziehen, das nicht gerechnet, was Du eben am Leibe haſt. Es iſt jetzt alles feiner her⸗ gerichtet worden, als Du es bisher gehabt haſt; denn ein Mann, Victor, der ſein erſtes Amt antritt, iſt wie ein Bräutigam, der ausgeſtattet wird — und er ſoll auch im Stande der Gnade ſein, wie ein Bräutigam. Das Geld, welches ſie mir alle Jahre für Deinen Unterhalt geben mußten, habe ich angelegt, und habe immer die Zinſen wieder dazu gethan. Das haſt Du nun alles. Der Vormund weiß es nicht und braucht es auch nicht zu wiſſen; denn Du mußt ja auch etwas für Dich haben, daß Du es ausgeben kannſt, wenn ſich andere ſehen laſſen, damit Dir das Herz nicht zu wehe thut. Wenn Dir Dein Oheim das kleine Gütchen entreißt, welches noch da iſt, ſo betrübe Dich nicht, Victor; denn es ſind ſo viele Schulden darauf, daß kaum mehr ein einziger Dachziegel dazu gehört. Ich bin in dem Amte geweſen, und habe mir es für Dich aufſchlagen laſſen, damit ich es weiß. Manches Mal einen Nothpfennig bekommſt Du ſchon von mir auch noch. So iſt alles gut.— Zu Deinem Oheime mußt Du nun ſchon die Reiſe machen, ehe Du in das Amt eintrittſt, weil er es ſo wünſcht. Wer weiß, wozu es! gut iſt— Du verſtehſt das noch nicht. Der Vormund erkennt auch die Nothwendigkeit, daß Du Dich dem Wunſche einer Fußwanderung zu dem Oheime fügeſt. Haſt Du geſtern Roſina geſehen?“
„Nein, Mutter; wir ſind ſpät Abends zurück gekommen, haben in dem Zimmer Ferdinand's geſpeiſet, und heute bin ich mit Tagesanbruch fort gegangen, weil ſo viel zu thun iſt. Der Vormund hat geſagt, daß ich meine Fußreiſe über die Stadt antreten und bei dieſer Gelegenheit von ihnen allen Abſchied nehmen ſoll.“
„Siehſt Du, Victor, Roſina könnteſt Du einmal zu Deiner Frau bekommen, wenn Du in Deinem Berufe recht thätig biſt. Sie iſt ſehr ſchön, und denke, wie ihr Vater mächtig iſt. Er hat die läſtige Vormund⸗ ſchaft über Dich ſehr redlich und fleißig verwaltet, und iſt Dir nicht ab⸗
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